«Benzin» aus der Steckdose

Das Image rein elektrisch betriebener Fahrzeuge bewegt sich in einem Spannungsfeld: Die Technologie überzeugt inzwischen. Was bei interessierten Kunden aber oft ein ungutes Bauchgefühl hinterlässt, ist die Frage nach der Reichweite und Infrastruktur.

Kaum eine andere Branche hat in den letzten Jahren in Sachen Umweltschutz mehr beweget als die Automobilbranche.

In der Schweiz gibt es Steckdosen an jeder Ecke. Ein Kilowatt Strom bewegt sich preislich zwischen 17 bis maximal 23 Rappen und bei immer mehr Bewohnern unseres Landes – wovon gemäss Studien lediglich ca. 2% einen Arbeitsweg von mehr als 100 Kilometern pro Tag zurücklegen – nimmt
der ökologische Gedanke einen wichtigen Stellenwert ein. Man könnte also sagen: Bahn frei für die Elektromobilität! Ganz so einfach ist das aber nicht. Viele potenzielle Elektrofahrzeug-Kunden fühlen sich unsicher. Die Reichweite der Fahrzeuge und somit auch die Verfügbarkeit der notwendigen Infrastruktur und ihre zukünftige Weiterentwicklung werfen Fragen auf, auf die es heute teilweise noch keine vollends befriedigenden Antworten gibt.

Steckdose ist nicht gleich Steckdose

Es existieren verschiedene Möglichkeiten, ein elektrisch betriebenes Auto – abhängig vom Standort des Parkplatzes und der Standzeit – zu «betanken». Ein zentraler Erfolgsfaktor der E-Mobilität ist deshalb, den richtigen Anschluss am richtigen Ort unter Berücksichtigung der (noch) relativ hohen Ladezeiten verfügbar zu machen.

Ein Überblick:

Normale Steckdose oder Heimladestation (Home Charge Device):

  • Standorte: Obwohl sie in jedem Haushalt verfügbar sind, sind übliche Steckdosen thermisch nicht auf einen Einsatz als Ladestation ausgelegt und sollten nur mit einem vom Fahrzeughersteller geprüften und zugelassen Adapter verwendet werden. Ein Home Charge Device bietet Abhilfe: Die Ladestationen passen sich der Leistungsgrenze der vorhandenen Hausinfrastruktur an und können auf einfache Weise an der Garagenwand installiert werden. Sie verringern zudem die Ladezeit und bieten einen höheren Anwendungskomfort. Zudem kann eine solche «Heimladestation», die sich bestens für den Einsatz im Privatbereich eignet, optional mit einem Energiezähler oder weiteren Steuergeräten wie einer Schaltuhr zur Vermeidung von Hochtarifzeiten ausgerüstet werden.
  • Ladezeit: Ein Ladevorgang bei niedriger Spannung, wie sie in Haushalten üblich ist, braucht seine Zeit, zwischen 8 und 10 Stunden. Mit andern Worten: eine ganze Nacht. Das Aufladen über Nacht bietet allerdings den Vorteil des günstigeren Stromtarifs.
  • Abrechnung: Privat auf eigene (Strom-)Rechnung. Als Mieter per Pauschale oder über einen Zähler.
  • Kosten Ladevorrichtung: Ein Home Charge Device kostet zwischen CHF 500 bis 3000, je nach Anbieter (und Montagekosten).

CEE-System («Camping-Buchse»):

  • Standorte: Das Steckersystem für den ursprünglich industriellen Einsatz ist meist bei öffentlichen Gebäuden und Parkplätzen, auf Firmengeländen, bei Gastrobetrieben oder in Einstellhallen von Mehrfamilienhäusern zu finden. Die höhere Spannung reduziert die Ladezeit deutlich. Die Installation einer CEE-Buchse in einem privaten Wohnhaus erfordert oftmals Umbauarbeiten. Vor allem bei grösseren Neubauprojekten in Stadtnähe gehört die Einplanung von CEE-Leitungen jedoch bereits zum Standard.
  • Ladezeit: 4 bis 8 Stunden.
  • Abrechnung: Pauschal oder über einen Zähler
  • Kosten Ladevorrichtung: Bis zu CHF 15’000. Unterhaltskosten zwischen CHF 20 und 2000 pro Jahr.

Schnellladestationen:

  • Standorte: Schnellladestationen befinden sich an Tankstellen, Autobahnraststätten oder bei Garagen- und Gastrobetrieben.
  • Ladezeit: Ein Ladevorgang nimmt «nur» ca. 30 Minuten in Anspruch, schlägt aber mit einem wesentlich höheren Preis zu Buche.
  • Abrechnung: Pro Ladevorgang.
  • Kosten Ladevorrichtung: Hohe Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Für den Kauf einer Schnellladestationen müssen bis zu CHF 80’000 einberechnet werden.

Egal ob als Privatperson oder als Betreiber einer öffentlichen «Strom-Tankstelle»: Die meisten Normen und Standards für die Elektromobilität sind noch in Bearbeitung. Es lohnt sich also, für zu erwartende Änderungen genügend Kapazitäts und Platzreserven einzuplanen.

Übersicht der Ansprüche unterschiedlicher Nutzergruppen

Quelle: Broschüre «Anschluss finden – Elektromobilität und Infrastruktur», Electrosuisse, Visuelle Gestaltung Leib&Gut.

 

Verband e’mobile

Der 1980 gegründete Verband e’mobile engagiert sich in der ganzen Schweiz für die Markteinführung von verbrauchs- und emissionsarmen Strassenfahrzeugen wie Elektro-, Hybrid- und Erdgas-/Biogasfahrzeugen sowie von Treibstoffen aus erneuerbaren Quellen.Der Verband e’mobile bietet von Marke und Produkt unabhängige Information und Beratung, führt Promotionsmassnahmen wie Ausstellungen und Informations-veranstaltungen durch und vermittelt Probefahrten. Seine Fachstelle befasst sich mit allen Fragen rund um Elektro- und Plug-in- Hybridfahrzeuge. Die AMAG ist Mitglied und der Verfasser dieses Artikels ist im Vorstand von e‘mobile.

Übersicht über die Schweizerische Schnelllade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge unter www.evite.ch
Informationen über das europaweite Netz von Stromtankstellen unter www.lemnet.org

Fügen Sie Ihren Kommentar hinzu

Hinterlasse eine Antwort

0 Kommentare

Ähnliche Beiträge