Der Mann für alles

Am vierten Porsche Classic Day in Schinznach-Bad war der Ex-Rennfahrer Jürgen Barth zu Gast. Der ehemalige Le Mans-Sieger hat im Live-Interview vor Ort einiges aus dem Nähkästchen erzählt.

Am Sonntag, 19. Juni 2016, trafen sich am vierten Porsche Classic Day in Schinznach-Bad Fans und Fahrer von historischen Porsche Fahrzeugen. Am diesjährigen Anlass hat die Organisatorin, das Porsche Service Zentrum Schinznach-Bad, als Stargast den Ex-Rennfahrer Jürgen Barth eingeladen. Barth hat die Auto-Fans als ehemaliger Gewinner des 24-Stunden-Rennens von Le Mans mit seinen Geschichten über seine Rennsporterfahrungen begeistert.

Im Live-Interview mit Dino Graf, Leiter Corporate Communication der AMAG, hat Jürgen Barth unter anderem Fragen zu seinem Werdegang, zu den persönlichen Rennhighlights sowie über die Entwicklung von Fahrzeugen beantwortet. Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Interview:

Wenn man die aktuelle Rangliste des Le Mans-Rennens, welches an diesem Wochenende stattfindet, anschaut, blutet da das Porsche-Herz? Ja auf jeden Fall, aber es ist ein interessantes Rennen [Anmerkung: zur Zeit des Interviews war Toyota in der Führung]. Hier wird die Zukunft des Automobilsports und des Automobils geschrieben. Was die da rausfahren mit ihren Hybriden ist das, was wir in Zukunft an Strassenautos haben werden.

Ihre Karriere hat bei Porsche begonnen und bei Porsche geendet. Was waren Ihre wichtigsten Laufbahnpunkte? Ich bin 1947 in der Ostzone geboren – also in der alten DDR. Mein Vater [Anmerkung: Edgar Barth], welcher auch Rennfahrer war, war vier- oder fünfmaliger DDR-Rennmeister auf BMW. Doch plötzlich hiess es, dass in einem kommunistischen Staat keine Rennen mehr gefahren werden dürfen. Mein Vater war somit arbeitslos und wurde dann von Porsche angestellt. Er fuhr 1957 am Nürburgring sein erstes Rennen für Porsche und hat gewonnen. Bei der Siegerehrung wurde aber irrtümlich die falsche Hymne gespielt, die der BRD. So konnte er nicht mehr in den Osten reisen, ohne dass er wegen Landesverrat inhaftiert worden wäre. Meine Mutter floh dann später mit mir auch in den Westen. 1963 begann ich meine Lehre bei Porsche als Kraftfahrzeugschlosser. Anschliessend folgte eine Lehre als Kaufmann, dann habe ich meinen Ingenieur gemacht und ich kam in die Presse- und Sportabteilung. Dort habe ich die administrative Organisation des ganzen Rennsports bei Porsche erledigt.

Was waren Sie mehr: Rennmanager oder Rennfahrer? Das war nicht einmal nur Rennfahrer – ich habe ja 1977 Le Mans gewonnen. In der darauffolgenden Woche wurde ich mit meiner Werkzeugkiste nach Australien geschickt, um dort als Servicetechniker beim London-Sydney-Rennen zu unterstützen. Als Le Mans-Sieger habe ich dort unter dem Auto gelegen und geschraubt.

Sie sind nicht nur Rennen gefahren, sondern haben auch Strassenfahrzeuge getestet. Was kann man in der Testentwicklung in die Serie noch miteinbringen als Testfahrer? Eigentlich war ich nicht Testfahrer im klassischen Sinne. Zwar hatten wir, wenn wir Rallyes gefahren sind, immer Testautos dabei und haben danach Berichte geschrieben. Ich kann mich noch gut erinnern: Den 928er hatten wir im Training in Monte Carlo mit einem ganz neuen ABS dabei. Es war furchtbar, weil wir in Monte Carlo sehr viel Schnee und Eisflecken hatten. Das ABS hat dann nicht richtig funktioniert und der Bericht war entsprechend lang. So sahen damals Meine Testeinsätze für den Strassenautobereich aus.

Wenn man Ihre Karriere umschreiben müsste, was waren Sie: Rennfahrer oder etwas anderes? Es gab einmal einen Artikel in einer Zeitung, da hiess es: «Der Mann für alles». Und das beschreibt es richtig, denn ich wurde verschiedentlich eingesetzt. So wurde ich einmal auch für zwei Jahre an die Firma Opel ausgeliehen, um dort die Safari-Rallye zu organisieren sowie die Entwicklung des «Asconas» und des «Kadetts» für Afrika zu machen.

Welches ist aus Ihrer Sicht der beste Porsche? Ich finde immer das aktuelle Auto das Beste. Bei den Rennwagen war für mich der 908/3 das genialste Auto, welches Ferdinand Piëch selber konstruiert und entwickelt hat. Als Fahrer sass man quasi auf der Vorderachse und hatte keine Sicherheit im vorderen Bereich – die Crashbox waren die Füsse. Tank, Batterie und Öltank waren rechts, das Getriebe war vor der Hinterachse. Es war ein fantastisch ausbalanciertes Auto. Als ich damit 1980 das 1000 km Rennen auf dem Nürburgring gewonnen habe, war das Auto schon 10 Jahre alt.

Das ganze ausführliche Interview können Sie im folgenden Video sehen:

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