Die faszinierende Welt eines Automobilmechatronikers

Im August haben tausende Jugendliche in der gesamten Schweiz ihre Lehre begonnen. Dabei gibt es klare Präferenzen für Berufe im kaufmännischen Bereich, in der Informatik und Pflege und auf der anderen Seite ein Überangebot an Lehrstellen in der Automobilbranche, nicht nur bei den Automobilmechatronikern. Dies mag mit Vorurteilen gegenüber diesem Beruf zusammenhängen. Jedoch ist das Berufsbild des Automobilmechatronikers faszinierend und spannend zugleich, wie man im folgenden Interview mit dem Leiter des Regionalen Service Centers, Herrn Jean Daniel Fritschi erfährt.
Nicht nur Alltägliches bekommen wir im Clip von einer angehenden Automobilmechatronikerin zu sehen.

(Im Text wird zur Vereinfachung die männliche Form verwendet, es sind aber sowohl Frauen als auch Männer angesprochen.)

1. Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Ich habe im Jahr 1986 eine vierjährige Ausbildung zum damals noch Automechaniker (heute Automobilmechatroniker) begonnen und diese im Jahr 1990 abgeschlossen.

2. Wie lange arbeiten Sie bereits bei der AMAG und welchen Werdegang haben Sie?

Nach dem Abschluss zum Automechaniker habe ich eine einjährige HTL-Vorbereitung absolviert (heute BM). Dies habe ich dann jedoch verworfen, da ich eher der Praktiker bin und mehr mit den Händen arbeiten muss, als im Büro am Schreibtisch zu sitzen. Zu Beginn des Jahres 1992 habe ich mich dann dazu entschieden, die Meisterprüfung zu machen, welche zwei Jahre dauert. Auch dies ist heute weniger aktuell, man geht eher in die Richtung des Diagnostikers, technischen Kaufmanns etc. Eine Wahl zwischen Fach- und Führungskarriere, wie wir sie heute kennen, war seinerzeit nicht möglich. Im Rahmen der Ausbildung zum Meister habe ich erfahren, dass der maximale Druck eines Dieselmotors bei 130 bar liegt, mehr sei technisch nicht möglich. Als ich dann die Meisterprüfung erfolgreich abgeschlossen hatte, sind bereits Einspritzmotoren mit einem Druck von mehr als 1‘000 bar eingeführt worden. Der technische Wandel ist also innerhalb kürzester Zeit enorm, dies fasziniert und begeistert mich sehr. Zusätzlich zur Meisterprüfung habe ich auch diverse interne Schulungen besucht.
Die Ausbildung selbst habe ich bei nicht bei der AMAG, aber bei einem VAG-Händler absolviert. Danach habe ich einen Standortwechsel vorgenommen und habe bei einem weiteren VAG-Betrieb in Davos gearbeitet, welcher durch die AMAG übernommen worden ist. Mittlerweile kann ich bereits auf 20 Jahre bei der AMAG zurück blicken.

3. Was beinhaltet Ihre Tätigkeit als Leiter Werkstatt des Regionalen Service Centers (RSC)?

Ich übe im RSC eine unterstützende Funktion für unsere Partnerbetriebe aus. Dies bedeutet, dass verschiedene Fahrzeuge zu uns gebracht werden, wenn beim Händler vor Ort ein Mangel spezifischer Instrumente oder auch ein Mangel an Wissen besteht. Meine Arbeit ist daher grösstenteils diagnostischer Art oder besteht in der Suche nach Fehlern.

4. Was ist das Besondere an der AMAG? / Was zeichnet die AMAG aus?

Kennzeichnend für die AMAG als Importeur der Volkswagen AG ist das flächendeckende Netz in der gesamten Schweiz. Auf dieser Basis findet unter anderem ein Wissenstransfer zwischen den verschiedenen Betrieben statt. Besonders ist sicher das umfangreiche Angebot an internen Schulungen über alle Stufen hinweg.

5. Können Sie uns etwas über das RSC erzählen?

Im RSC haben wir an hoch spezialisiertes Team von Diagnostikern. Diese zeichnet ein hohes Mass an Kreativität und Ideenreichtum aus. Wir gehen nicht nur auf Fehlersuche, sondern bauen darüber hinaus selbst Fehler ein, um gewissen Problemen auf den Grund zu gehen. Es gibt zum Teil so genannte „Geister“, sprich schwerwiegende Fälle, bei denen zwar klar ist, dass ein Fehler vorliegen muss, aber nicht zu erkennen ist, wo sich dieser genau befindet. Um diesen Fehler zu eruieren, müsste man ein Fahrzeug jahrelang fahren, was in der Praxis selbstverständlich nicht möglich ist. So muss man einen anderen Weg finden, dafür haben wir unsere Spezialisten im RSC.

6. Haben Sie Lernende im RSC?

Ich habe eine Lehrtochter, die sich im 4. Lehrjahr der Ausbildung zur Automobilmechatronikerin befindet. Darüber hinaus habe ich auch anderen Abteilungen sowie unseren Retailbetrieben das Angebot gemacht, dass Lernende Automobilmechatroniker sehr gerne eine gewisse Zeit zu uns ins RSC kommen können, sofern sie sich für Diagnostik interessieren und diesen Bereich kennenlernen möchten. Diese Lernenden sind mir dann zwar nicht direkt unterstellt, geniessen aber im Rahmen ihrer Ausbildung quasi eine Zusatzausbildung. Es kann also durchaus sein, dass wir mehrere Lernende im RSC haben.

7. Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit?

Die Faszination beinhaltet sicher die fortlaufende Innovation und den Fortschritt der Technik. Ich blicke hier gerne zurück auf das Jahr 2003/2004, in dem wir das erste Fahrzeug hatten, welches zum einen über eine Distanzmessung verfügte und zum anderen selbständig bremste. Die Meinung der Kunden war zu der Zeit eher ablehnend gegenüber solchen Neuerungen, man wollte als Fahrer nicht die Kontrolle über das Fahrzeug abgeben. Mittlerweile ist sogar autonomes Fahren ein grosses Thema. Wir haben einen enormen technischen Fortschritt, der sich schnell vollzieht und dieser begeistert mich. Darüber hinaus kann man immer etwas Neues lernen. Ich selbst bin jemand, der sehr gerne etwas dazu lernt und sich Wissen aneignet. Dies sind die Dinge, die mich an meinem Beruf begeistern.

8. Was beinhaltet für Sie Kundenorientierung?

Grundsätzlich haben wir herstellerseitig gewisse Vorgaben zur Kundenorientierung. Für mich persönlich bedeutet Kundenorientierung zuerst einmal, dem Kunden zuzuhören, um so sein Anliegen zu verstehen. Dies bedeutet auch, offen zu sein und nicht bereits im Vorfeld eine vorgefertigte Meinung zu haben. Ein kleines Beispiel hierzu: Es ist nicht an mir zu beurteilen, ob ein Klappergeräusch stört. Wenn der Kunde dieses als störend empfindet, so liegt es an mir, dieses baldmöglichst zu beheben. Kundenorientierung und die damit einhergehende Kundenzufriedenheit bedeutet weiterhin, ein Problem baldmöglichst zu beheben, so dass das Fahrzeug baldmöglichst wieder fahrtüchtig und der Kunde zufrieden ist.

9. Die Ausbildung von Lernenden hat bei der AMAG einen besonders hohen Stellenwert, wie macht sich dies bemerkbar?

Die Qualität unserer Lernenden ist sehr gut, wie man vor kurzem auch an den erfolgreichen Qualifikationsverfahren gesehen hat. Wie bereits erwähnt, legt die AMAG grossen Wert auf ihr internes Ausbildungssystem, was auch die zusätzliche Ausbildung von Lernenden beinhaltet. Es gibt hierzu spezielle Programme (Young Talents, überbetriebliche Kurse etc.). Zudem stehen uns herstellerseitig viele neue Technologien wie beispielsweise neue Antriebe (Elektro, Hybrid-Plugin etc.) zur Verfügung, die der Lernende nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis erleben kann.

10. Wieso ist die Nachfrage nach Automobilmechatronikern so hoch?

Bei einem Automobilmechatroniker handelt es sich heutzutage um einen komplexen und zudem sehr technischen Beruf. Die erforderlichen Qualifikationen bringt ein Mechaniker, der zwar am Fahrzeug interessiert ist und gerne Reparaturen durchführt, nicht mit. Es ist mittlerweile anderes Wissen gefragt, das stark in die diagnostische Richtung geht zudem auch umfangreiche Kenntnisse der Informatik erfordert.

11. Wieso können sich dennoch verhältnismässig wenige für eine Ausbildung in diesem Bereich begeistern?

Die Anforderungen sind sehr hoch, breites Wissen und vielseitige Interessen sind notwendig. Zudem ist das Berufsbild eher diffus und die Wahrnehmung dieses Berufes in der Öffentlichkeit zum Teil wenig positiv. Der Automobilmechatroniker wird als reiner Mechaniker angesehen, ohne dass hinterfragt wird, was dieses Berufsbild wirklich beinhaltet. Hingegen scheint beispielsweise eine Ausbildung in der Informatik von der breiten Öffentlichkeit angesehener zu sein.

12. Was sind die spezifischen Anforderungen für eine Ausbildung zum Automobilmechatroniker?

Die Bewerber müssen zuerst einmal die Sekundarschule A absolviert haben, ein technisches Flair haben, vernetzt denken können und eine Faszination für Elektronik mitbringen.

13. Welche Tätigkeiten beinhaltet der Beruf des Automobilmechatronikers?

Man übt hier bereits gewisse diagnostische Tätigkeiten aus, diese werden auch erwartet. Einfache Reparaturen gehören eher weniger dazu, es wäre auch schade um das spezifische Wissen. Hingegen kann durchaus ein Motor zerlegt werden, um einem Problem auf den Grund zu gehen. Zukünftig ist noch mehr Spezialisierung gefragt, die Tätigkeiten werden dann vermutlich in Bereiche wie Assistenz, Elektronik, Fahrdynamik, Infotainment etc. unterteilt werden.

14. Welche Möglichkeiten hat man mit einer Ausbildung zum Automobilmechatroniker?

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig (weitere Infos unter: www.agvs.ch). Man kann beispielsweise die Berufsmittelschule besuchen oder eine weitere Ausbildung (bspw. Diagnostiker) absolvieren. Auch ohne weiterführende Schulbildung sind Automobilmechatroniker auf dem Arbeitsmarkt nicht nur in der Automobilbranche, sondern auch in anderen Bereichen sehr gefragt.

15. Welche beruflichen Perspektiven ergeben sich nach der erfolgreich absolvierten Ausbildung?
Bei der AMAG gibt es viele Einsatzgebiete und interne Schulungsmöglichkeiten. Auch werden zum Teil andere Wege eingeschlagen, die Wege sind hier sehr vielfältig.

16. Welchen Tipp haben Sie zum Schluss für Jugendliche, die sich für eine Ausbildung zum Automobilmechatroniker bei der AMAG interessieren?

Die AMAG hat sehr viel zu bieten, dazu zählen unter anderem eine riesige und faszinierende Produktpalette, mehrere Marken unter einem Dach und eine sehr grosse Vielfalt. Man muss als Bewerber Freude am Lernen haben, etwas erreichen wollen, flexibel und belastbar sein und eine Herausforderung suchen.

Vielen Dank für das spannende und informative Gespräch!

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