Elektromobilität: Wer bezahlt – und wie?

Die Kosten für eine volle «Betankung» eines reinen Elektrofahrzeugs liegen je nach Ladeart und Fahrzeug bei einem bis fünf Franken, bei Schnell-Ladestationen liegt der Preis für eine «Füllung» bei ca. zehn Franken. Ein einheitliches Abrechnungssystem für private und öffentliche Ladelösungen existiert noch nicht. Über zukünftige Herausforderungen in der Elektromobilität.

Die Abrechnung wird vor allem im privaten Bereich zum Thema, wenn in einem Wohnhaus ein oder mehrere Mieter täglich Strom zum Laden ihrer Fahrzeuge brauchen. Mit Zählersystemen, wie man sie von gemeinsam genutzten Waschmaschinen kennt, ist eine faire und korrekte Abrechnung der Stromkosten einfach, wenn auch mit Mehraufwand seitens Vermieter verbunden. Oft werden von Vermietern auch Pauschalen an Besitzer von Elektrofahrzeugen verrechnet.

Bei öffentlich erreichbaren Ladestationen kommen verschiedene Zahlarten zum Einsatz: von Prepaid-Systemen bis hin zur Bezahlung via Kreditkarte oder Mobiltelefon. Gerade Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeit ein gewichtiger Imagefaktor ist, können diesem Ausdruck verleihen, indem sie ihren Besuchern firmeneigene Ladestationen kostenlos zur Verfügung stellen. So wie dies die AMAG bereits mit acht «EVite-Tankstellen» tut.

Folgekosten

Den höheren Anschaffungskosten von Elektrofahrzeugen steht ein grosses Sparpotenzial beim «Treibstoff», der Energie, gegenüber. Ob die Rechnung unter dem Strich aufgeht, ist für bisher unerfahrene E-Mobilisten aufgrund von weiteren Kostenfaktoren für Unterhalt und Service oft schwer einschätzbar. Was, wenn die Batterie ausgewechselt werden muss? Und wie viel ist mein Fahrzeug mit einer vierjährigen Batterie auf dem Occasionsmarkt noch wert? Oder aus dem Umweltgedanken heraus überlegt: Von der Produktion bis zur Entsorgung – wie nachhaltig bin ich wirklich mit der Batterie? Und woher kommt in Zukunft der Strom, den immer mehr Elektrofahrzeuge für die täglich «Tankfüllung» brauchen? Grundlegend gilt es sich zu fragen, ob das Konzept der reinen E-Mobilität in den eigenen Alltag passt (Arbeitsweg, Infrastruktur zu Hause) und wie viel einem persönlich der Umweltschutz wert ist – nicht nur in finanzieller, sondern auch in organisatorischer Hinsicht.

Verantwortung übernehmen

Die AMAG als zukunftsorientiertes Mobilitätsunternehmen will beim Thema Elektromobilität als Vorreiterin voran gehen – einerseits in Sachen Infrastruktur (erste eigene öffentliche Schnellladestationen sind im Einsatz und einige Werkstätten bereits mit Hochvoltsystemen ausgerüstet), aber
auch beim Aufbau von internem Know-how. Elektro- und Hybridfahrzeuge stellen spezifische Anforderungen an die Ausbildung des Fachpersonals, ansonsten werden Spannungen von bis zu 400 Volt schnell gefährlich. Dasselbe gilt für den Umgang des Fahrers mit den elektrischen Vorrichtungen an seinem Fahrzeug. Deshalb sollte die Prüfung der Ladekabel auf Brüche und Deformationen zum Schutz des Kunden fester Bestandteil des Werkstattbesuchs sein. Das Servicenetz wird laufend mit der notwendigen Infrastruktur und dem entsprechenden Know-how ausgebaut.

Kaum eine andere Branche hat in den letzten Jahren in Sachen Umweltschutz mehr bewegt als die Automobilbranche.

Die Zukunft der Elektromobilität

Das Wichtigste bei Zukunftsprojekten: Nicht den Blick für das grosse Ganze und eine gesunde Distanz verlieren. Im Fall der Elektromobilität heisst das, nicht auf die Steckdose als Lieferantin elektrischer Spannung zu beharren – auch diese wird in Zukunft am Ende ihres (langen) Lebenszyklus angekommen sein. Man stelle sich vor, man lädt die Batterie seines Fahrzeugs in Zukunft kabellos per induktiver Aufladung – so, wie man heute beispielsweise beim neuen Audi A3 sein Handy per Induktionsfeld in der Mittelkonsole aufladen kann. Entsprechende Lösungen sind bei einigen Herstellern bereits in Arbeit. Genauso wie natürlich weiter an den Kapazitäten der Batterien und anderen alternativen Antrieben gearbeitet wird.

Das alles macht die weitere Entwicklung der Elektromobilität höchst spannend. Momentan überzeugt das Konzept ganz klar im Bereich der urbanen Mobilität. Bei durchschnittlichen Fahrleistungen von ungefähr 100 Kilometern pro Tag (rund 95% aller täglichen Fahrleistungen in der Schweiz) und selten komplett «leeren» Batterien, dürften die meisten Bewohner des Landes mit verhältnismässig kurzen Ladezeiten auskommen. Voraussetzung seitens der Privatkonsumenten: Ein eigener, immer verfügbarer Parkplatz mit nutzbarer Stromversorgung und bestenfalls die Möglichkeit, am Arbeitsplatz sein Fahrzeug (teil)laden zu können – je nach vorhandener Infrastruktur. Ausserdem ist etwas Pioniergeist gefragt. Nicht nur von denjenigen, die gerne neue, alternative Antriebe ausprobieren möchten, sondern vor allem auch von denjenigen, die Städte, Wohnanlagen, Einkaufszentren, Parkhäuser und die politischen Programme von morgen gestalten.

Das wichtigste in Kürze

  • Arbeiten an elektrischen Installationen dürfen nur von Fachpersonal ausgeführt werden!
  • Bestehende Elektroinstallationen vom Elektroinstallateur oder Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) überprüfen lassen, bevor sie als Stromtankstelle genutzt werden.
  • Achtung vor Stolpergefahr und Überbeanspruchung! Steckdosen und Ladeinfrastruktur sollten sich möglichst nahe beieinander befinden.
  • Pro Elektrofahrzeug resp. Steckdose/Anschluss, eine separate Sicherung (LS) und einen separaten Fehlerstromschutzschalter (FI) verwenden.
  • Werden Stromanschlüsse regelmässig für E-Fahrzeuge genutzt – auch von Drittpersonen (Kunden, Besuchern, Gästen) – ist eine geeignete Installation aus Sicherheitsgründen angebracht (CEE-Steckdose oder HCD).
  • Bei einem Fahrzeug mit mehr als 2 kVA ≈ 2000 W Anschlussleistung darauf bestehen, dass die Steckdose und der Stecker des Ladekabels mindestens CEE 16 A/230 V entsprechen.
  • Handelsübliche Reiseadapter sind ungeeignet für die Anwendung in der Elektromobilität!
  • Adapterkabel nur in Ausnahmesituationen einsetzen und für den Dauerbetrieb mit einer 8 A-Sicherung absichern.
  • Achtung Überhitzungsgefahr! Kann ausnahmsweise nicht auf eine Kabelrolle verzichtet werden, muss das Kabel vollständig abgerollt werden.
  • Batterien nur in belüfteten und möglichst trockenen Räumen laden.
  • Einige EVU und Gemeinden unterstützen die Elektromobilität. Nachfragen kann sich lohnen.
  • Bei Fahrzeugpannen nie selbst Hand an die Elektrik legen. Überlassen Sie die Diagnose und Reparatur dem Profi!
    (Quelle: Informationsbroschüre «Anschluss finden». Herausgeber: Verband e’mobile)

 Verband e’mobile

Der 1980 gegründete Verband e’mobile engagiert sich in der ganzen Schweiz für die Markteinführung von verbrauchs- und emissionsarmen Strassenfahrzeugen wie Elektro-, Hybrid- und Erdgas-/Biogasfahrzeugen sowie von Treibstoffen aus erneuerbaren Quellen.Der Verband e’mobile bietet von Marke und Produkt unabhängige Information und Beratung, führt Promotionsmassnahmen wie Ausstellungen und Informations-veranstaltungen durch und vermittelt Probefahrten. Seine Fachstelle befasst sich mit allen Fragen rund um Elektro- und Plug-in- Hybridfahrzeuge. Die AMAG ist Mitglied und der Verfasser dieses Artikels  ist im Vorstand von e‘mobile.

Übersicht über die Schweizerische Schnelllade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge unter www.evite.ch
Informationen über das europaweite Netz von Stromtankstellen unter www.lemnet.org

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