Verbrauchs­angaben mit Gewähr?

Immer wieder wird der Autoindustrie vorgeworfen, in der Werbung und Verkaufsliteratur ungenaue, ja sogar geschönte Zahlen über den Treibstoffverbrauch ihrer Neufahrzeuge zu verwenden. Eine Studie sagt sogar aus, dass neue Autos in Europa durchschnittlich 25 Prozent mehr Treibstoff schlucken als versprochen. Kein Wunder, sind viele Autofahrerinnen und Autofahrer ernüchtert, wenn sie den Verbrauch ihres Autos berechnen.

Von NEFZ zu WLTP?

Der Hauptgrund für diese Abweichung ist in der verwendeten Testmethode zu sehen. Der sogenannte NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) steht bereits seit langem in der Kritik, weil er angeblich zu realitätsfremd sei. In absehbarer Zeit soll der NEFZ durch einen neuen, weltweit verbindlichen Testzyklus abgelöst werden: Das neue Verfahren heisst WLTP; die Abkürzung steht für Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures. Es wurde von Experten aus mehreren Kontinenten entwickelt und soll noch dieses Jahr fertiggestellt werden. Die WLTP-Methode soll die gefahrene Realität besser darstellen als der NEFZ, denn sie beinhaltet unter anderem eine stärkere Beschleunigung und höhere Geschwindigkeiten. Für europäische Fahrzeuge gilt aber vorerst weiterhin der NEFZ;  er ist der einzige Testzyklus, der einen Vergleich zwischen den Herstellern bzw. den Produkten bietet. Er ist klar genormt, die Rahmenbedingungen zur Messung sind definiert und für alle Hersteller gleich.

Persönliche Faktoren statt Normierung

Der WLTP ist aber auch kein Wundermittel und wird nie in der Lage sein, den individuellen Fahrbetrieb im Alltag abzubilden. Denn trotz immer besserer Methoden gibt es beim Autofahren sehr viele Unwägbarkeiten, die auch ein noch so ausgeklügelter Testzyklus nicht erfassen kann. Wer häufig mit einem zentnerschweren Hund inkl. Hundebox unterwegs ist, wird mit Sicherheit mehr Sprit verbrauchen. Wer darauf angewiesen ist, seinen Arbeitsweg in der Rush Hour mit Stop & Go-Verkehr anzutreten, muss ebenfalls mit höheren Verbrauchswerten rechnen, ganz zu schweigen von den täglichen Staus. Wer den Skiträger spazieren fährt, braucht mehr Treibstoff, wer mit zu niedrigem Reifenluftdruck, wer permanent hochtourig fährt, ebenfalls. Gerne vergessen gehen auch Fahrten über kurze Distanzen, bei denen der Motor nicht auf Betriebstemperatur kommt. Ganz zu schweigen von den klimatischen und topografischen Eigenschaften, mit denen gerade unser Land nun einmal “gesegnet” ist. Und die vielen kleinen Helferlein und Bequemlichkeiten wie Sitzheizung, Klimaanlage, Navigationsgeräte usw., die wir so gerne in Anspruch nehmen, wirken sich ebenfalls auf den Verbrauch aus.

Und so bleibt am Schluss die nüchterne Erkenntnis, dass sowohl der NEFZ als auch der WLTP nicht mehr und nicht weniger sind als eine Vergleichsbasis, die dem Autokäufer gewisse Anhaltspunkte und eine Vergleichsmöglichkeit über den Treibstoffverbrauch der verschiedenen Modelle liefern soll. „Jeder hat es selber in der Hand respektive im Fuss!“ Deshalb: jeder Automobilst, jede Automobilistin hat grossen Einfluss auf den eigenen Verbrauch. Wer seinen Verbrauch optimieren will, findet Informationen dazu unter: www.ecodrive.ch

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