Julia, wie sieht dein beruflicher Weg bis heute aus?

2008 habe ich meine Lehre im Ersatzteillager eines freien Partners der AMAG abgeschlossen. Ich durfte bereits dort viel Verantwortung übernehmen, indem ich das Ersatzteillager leiten und Lernende ausbilden konnte. Ich war insgesamt 9 Jahre für diese Werkstatt tätig, bevor ich 2016 zur AMAG Winterthur in den Kundendienst wechselte. Seit September 2019 arbeite ich nun bei der AMAG Schaffhausen als Serviceleiterin bei Audi und führe ein kleines Team. Ich bin also seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn in der männerdominierten Autobranche tätig.

Was magst du an deinem aktuellen Job bei der AMAG Schaffhausen besonders?

Wir sind bei der AMAG Schaffhausen ein kleines Team. Das macht die Arbeit aber irgendwie spannender und intensiver. In kleineren Betrieben kann man Dinge schneller ändern, da die Entscheidungswege kürzer sind und ich näher am Chef und an unserem Geschäftsführer bin. Trotzdem hat man die Vorteile eines Grossunternehmens, da wir Teil der AMAG Gruppe sind. Es gibt Strukturen, Prozesse und eine langfristige Vision, die dem Arbeitsalltag einen roten Faden geben. Obwohl ich mich beim Wechsel zur AMAG zuerst daran gewöhnen musste, bin ich heute sehr froh darüber.

Wie findest du einen Ausgleich zum Berufsalltag?

Mein grösster Ausgleich zum Job ist meine Familie, zu der ich ein sehr enges Verhältnis habe. Sie unterstützt mich bei meinen Plänen und trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass ich an mich selbst glaube. Sie machen mir Mut, meine Ziele zu verfolgen. Ich schöpfe aber auch Energie, wenn ich mit meinem Göttibueb unterwegs bin, oder wenn ich für mich alleine bin und beispielsweise Sport mache – da kann ich runterfahren. Eine weitere grosse Leidenschaft von mir ist das Reisen. Ich lerne gerne Neues kennen und lasse mich von anderen Kulturen inspirieren. Meiner Meinung nach sehen wir vieles als selbstverständlich an, was andere Kulturen eher zu schätzen wissen. Deshalb bringt mich das Reisen und das Erkunden anderer Kulturen dazu, wieder neu zu denken und zurück zu den wirklich wichtigen Werten zu kommen.

Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Ich bin konsequent, zielorientiert und weiss genau, was ich will. Ich bin ein strukturierter Mensch, was mir hilft, die gesetzten Ziele zu erreichen. Mein Team würde mich wahrscheinlich eher als streng bezeichnen. Obwohl ich direkt bin und offen sage, was ich denke, bin ich für viele nicht so gut einschätzbar. Beruflich gesehen entscheide ich klar mit dem Kopf und rational. Im Privaten hingegen bin ich eher ein Gefühlsmensch. Ich bin immer für meine Freunde und Familie da und für jeden Spass zu haben. Ich brauche (auch im beruflichen Umfeld) zuerst immer etwas Zeit, um mich zu öffnen. Aber wenn ich das Vertrauen in eine Person gewonnen habe, kann man mit mir viel Spass haben.

Wer hat dich auf deinem Weg inspiriert?

Mein Vater war eine grosse Inspirationsquelle für mich. Bereits kurz nach meiner Lehre, als ich im Ersatzteillager mehr Verantwortung übernehmen durfte, hat er mir gesagt, dass ich das kann und auch zu mehr fähig bin. Das hat mir sehr geholfen und Mut gemacht. Als ich dann bei der AMAG in Winterthur angefangen habe, hatte ich einen tollen Vorgesetzten, der mich auf meinem Weg inspiriert und unterstützt hat. Ich verdanke sicher auch ihm, wo ich heute in meiner Karriere stehe. Auch in meiner aktuellen Position erhalte ich viel Unterstützung meines direkten Vorgesetzten und des Geschäftsführers. Ich bin froh, ein Teil dieses Teams zu sein.

Was möchtest du anderen Personen auf ihren Weg mitgeben?

Ich sage immer, man muss nicht studiert haben, um weiter zu kommen. Ich habe es auch geschafft, meine Ziele zu erreichen, und zwar ohne viele Weiterbildungen. Man muss stets an sich selbst glauben. Und ganz wichtig: Das was man macht, muss einem Freude bereiten. Auch ich hatte ab und zu Zweifel oder Tiefs, in denen ich dachte «ich schaffe das nicht». Heute weiss ich jedoch: Wer mit diesen Situationen umzugehen weiss und Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten gewinnt, kommt schliesslich weiter.

Welche Erfahrungen hast du in einer männerdominierten Branche wie die der AMAG gemacht?

Es gibt leider immer noch das Klischee: Frauen und Autos passen nicht zusammen. Deshalb erlebe ich regelmässig, dass es anspruchsvoll ist, sich der Kundschaft gegenüber zu behaupten. Manche Kundinnen und Kunden brauchen etwas Zeit, bis sie mir ihr Vertrauen schenken und verstehen, dass ich weiss, wovon ich spreche. Das prägt diese Branche und ist auch in meiner heutigen Position immer wieder eine Herausforderung. Man muss sich als Frau in der Autowelt definitiv die «Sporen» abverdienen. Das Schöne ist aber, dass viele positive Rückmeldungen kommen, wenn man sich mal bewiesen hat. Die grösste Wertschätzung für mich ist, wenn ich von Kunden oder meinen Kollegen aus der Werkstatt Zuspruch erhalte und sie von meinen Ansichten und meinem Wissen überzeugen kann.

Julia mit ihren Arbeitskollegen in der Werkstatt.

Was war ein Ereignis in deinem Leben, das dich stark geprägt hat?

Ich habe im Jahr 2015 die «Goldnadel»-Auszeichnung des Volkswagen-Konzerns erhalten. Mit dieser Verleihung zeichnet Volkswagen jährlich acht Schweizer Volkswagen Mitarbeitende für ihr hohes persönliches Engagement aus. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch sehr jung und dieses Ereignis hat mich stark geprägt. Es war für mich eine Art Wendepunkt, an dem ich mir gesagt habe, dass ich mehr erreichen und nicht stehen bleiben will.

2015 bei der Verleihung der «Goldnadel».

Ein zweites, einschneidendes Erlebnis war für mich der Start bei der AMAG in Winterthur. Ich war zu Beginn immer wieder von Selbstzweifeln geprägt doch mein Vorgesetzter hat mich motiviert, an mich selbst zu glauben. Durch diesen Prozess lernte ich mich selbst besser kennen und habe Methoden gefunden, mit Unsicherheiten umzugehen. Ganz wichtig war auch, dass ich meine Ziele nie aus den Augen verloren habe. So konnte ich meinen Tiefpunkt überwinden.

 

Steckbrief Julia Winiger

Jobtitel: Serviceleiterin Audi
Leidenschaft: Reisen
Motto: Aufgeben gibt’s nicht
Traumberuf als Kind: Prinzessin – oder Polizistin
Eine Stärke: Ich bin ehrgeizig
Eine Schwäche: Ich kann auch mal stur sein

4 Kommentare

  • Ingo Rott

    Hallo Julia
    Sehr gutes Interview. Du bringst es auf de Punkt.
    Schön Dich Im Tam AMAMG Schaffhausen zu haben. Weiterhin viel Erfolg in allen Bereichen.
    Grüsse Ingo

  • Jan Müller

    Top Job, weiterhin viel Spass auf Deinem Weg in der Autobranche

    • Julia Winiger

      Danke vielmals Jan 🙂

  • Beatrice Angst

    Tolles Interview, Julia! Man spürt deine Power und den Willen, deinen Weg – in einer männerdominierten Branche- zu gehen. Sehr inspirierend! Ich wünsche dir viel Erfolg für deine weitere Karriere.
    Viel Grüsse, Bea