Das Arbeiten in den letzten Wochen war alles andere als «Daily Business». Jedes Unternehmen war und ist mit seinen eigenen Herausforderungen beschäftigt. Man musste schnell umdenken, neu planen und organisieren – sei es im Umgang mit den Mitarbeitenden, den Kundinnen und Kunden oder in Bezug auf die Infrastruktur. Wir alle stellten uns Fragen wie «Wie können wir unser Geschäft trotz der Auflagen des Bundesrates aufrechterhalten?» oder «Wie schaffen wir es, trotz der Corona-Krise, für unsere Kunden da zu sein?». Eine Frage, die dabei hintenanstehen musste – auch beim Bundesrat – war: «Was passiert mit den Lernenden?»

Gleiche Regeln für alle

Bei der AMAG galt von Anfang an «gleiche Regeln für alle». Das bedeutet, dass sich selbstverständlich zum eigenen Schutz auch die Lernenden im gleichen Mass an die neuen Regeln halten müssen, die wir allen anderen Mitarbeitenden auferlegt haben. Das geht vom Tragen des Mundschutzes beim Kundenkontakt, über die Handschuhpflicht in den Werkstätten bis hin zum Arbeiten aus dem Homeoffice. Das klingt vielleicht logisch, ist aber für Lernende und ihre Berufsbildenden definitiv nicht so einfach umsetzbar, wie für festangestellte Kolleginnen und Kollegen. Warum? «Weil Lernende – vor allem in den ersten beiden Lehrjahren – noch eine intensivere Betreuung benötigen und selbständiges Arbeiten nicht bei jeder Tätigkeit gleichermassen möglich ist.» erklärt Manuel Nauer, Leiter Aftersales des Porsche Zentrums Winterthur, der drei Lernende in der Werkstatt betreut.  

Bestmögliche Unterstützung durch Berufsbildende

Diese Situation war deshalb auch für Berufsbildende eine ganz besondere. Auch sie mussten schnell reagieren, rasch umdenken. In den Werkstätten musste man sich überlegen, wie man Lernende beschäftigen und mit dem geltenden Abstand von 2 Metern betreuen kann. Manuel erklärt ihr Vorgehen: «Wenn möglich haben wir die Arbeiten am Auto so eingeplant, dass einer vorne und einer im hinteren Bereich des Fahrzeugs gearbeitet hat. Beim direkten Kontakt miteinander haben der Berufsbildende und der Lernende immer Schutzmasken getragen.» So konnten sie trotz Ausnahmezustand die Ausbildung der Lernenden fortführen und sich gleichzeitig wie vorgeschrieben schützen. Ältere Lernende können schon sehr selbstständig arbeiten und haben sich auf Tätigkeiten fokussiert, die sie auch ohne Unterstützung erledigen können. Dazu zählt beispielsweise der Radwechsel, der genau in die Corona-Zeit rund um Ostern fiel. Nicht zuletzt durch das Anpacken unserer Lernenden und deren Flexibilität, blieb das Rad bei der AMAG am Rollen.

Unterschiede zwischen handwerklichen Berufen und Bürojobs

Mit ganz anderen Herausforderungen hatten Berufsbildende der Bereiche Detailhandel und KV zu tun: «Unsere Lernenden haben vielerorts zum ersten Mal Homeoffice gemacht. Das war nicht nur für sie eine grosse Umstellung.» beschreibt Marcel Schlatter, Fachverantwortlicher Lernende Detailhandel und KV im Import, die Anfänge des Lockdowns. Von zu Hause aus zu arbeiten, braucht eine gewisse Disziplin – das wissen auch wir als ausgelernte Mitarbeitende. Dass es einem 17-jährigen schwerfällt, am Morgen trotzdem frühzeitig aufzustehen und sich ans Pult zu Hause zu setzen, ist nur verständlich. Auch kann es vorkommen, dass die Konzentration im Laufe des Tages vielleicht mal etwas abnimmt und es nicht ganz einfach ist, am Ball zu bleiben, so ganz ohne Kontrolle. Mit dieser Freiheit muss man als Lernender umzugehen lernen. Marcel sagt: «Wir haben die Lernenden auch im Homeoffice eng begleitet und ihnen Tages- und Wochenziele gegeben, die dann überprüft wurden. Uns Berufsbildenden ging es dabei nicht unbedingt um die Kontrolle, sondern auch darum, den Lernfortschritt zu gewährleisten. Uns war bewusst, dass die Lernenden auf keinen Fall stehen bleiben dürfen.»

Während der Corona-Krise haben Lernende oftmals mehr Verantwortung bekommen, denn das Geschäft musste weiterlaufen, alle mussten an einem Strang ziehen. Über die Wochen hat sich die Ausnahmesituation zum normalen Alltag entwickelt. «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir unseren Lernenden – wo möglich – auch in Zukunft Homeoffice erlauben werden. Damit bereiten wir sie auch auf die Arbeitswelt nach ihrer Lehre vor. Sie lernen so bereits früh, sich in so einem Gefäss zurecht zu finden und die entsprechenden digitalen Arbeitstools zu nutzen. Auch wir Berufsbildende müssen lernen, mit dieser Umstellung umzugehen.» erklärt Marcel.

Digitalisierung in Berufsschulen

Nicht nur Berufsbildende und Lernende, sondern auch die Berufsschulen mussten schnell umstellen. Vielerorts ist die Schule für einige Wochen ausgefallen und wurde dann als «Distance Learning» (Fernunterricht) wieder aufgenommen. Auch hier war also von den Lernenden Selbstdisziplin gefragt. Die Berufsbildenden in der AMAG haben dabei entschieden, ob die Lernenden an den Schultagen von zuhause aus lernen konnten oder im Betrieb erscheinen mussten. Oberste Priorität hatte dabei der passende Lehrrahmen für die jungen Erwachsenen: Sie sollten nicht nur die übliche Zeit für das Lernen und Erledigen der Schulaufgaben erhalten, sondern dies auch in einer für sie förderlichen Umgebung tun können. Berufsbildende haben bei Bedarf auch hier unterstützt, erzählt Marcel: «Wir haben bei unseren Lernenden regelmässig nachgefragt, welche Aufgaben sie von der Schule erhalten haben und ob wir ihnen dabei helfen können. Es hat bei einigen einen Moment gebraucht, aber auch an diese Umstellungen haben sich schlussendlich alle gewöhnt und das Beste daraus gemacht.» Einen grossen Vorteil hatten dabei Lernende in Berufsschulen, die bereits in der Digitalisierung angekommen waren: «Unsere Lernenden im ersten und zweiten Lehrjahr, die bei der AMAG Import AG und der AMAG Leasing AG arbeiten, haben bereits zu Beginn ihrer Lehre einen Laptop erhalten und regelmässig Aufgaben online erledigt. Damit waren sie und ihre Berufsschulen klar einen Schritt voraus – nicht nur im Online-Schulunterricht, sondern auch in Bezug auf die Kommunikationswege von den Lehrpersonen zu den Lernenden. Die waren nämlich von Tag 1 an vorhanden, wohingegen andere Schulen zuerst passende Tools einführen mussten.»

Vorbereitung auf Lehrabschlussprüfung

Die Lernenden mit der wohl aussergewöhnlichsten Situation sind jene, die in diesem Jahr ihren Lehrabschluss machen. Sie wussten lange nicht, wie es für sie weiter geht, wie sie sich auf ihr QV (Qualifikationsverfahren, früher LAP) am besten vorbereiten, geschweige denn, was sie an den theoretischen und praktischen Abschlussprüfungen erwartet. Also haben sich die Lernenden bei der AMAG mit Unterstützung ihrer Berufsbildenden wie jedes Jahr auf ihren Abschluss vorbereitet. Gegen Ende April kam dann die Meldung des Bundesrates und der jeweiligen Berufsverbände: Für jeden Beruf gibt es Sonderregelungen für die diesjährigen QVs.

Bei den technischen Berufen wie Automobilmechatroniker/-in oder Carrosseriespengler/-in gibt es beispielsweise eine normale oder verkürzte praktische Prüfung, jedoch keine Theorie. Manuel ist aber froh: «In den technischen Berufen wird die Praxisprüfung mit einigen Theorieteilen ergänzt. Ich finde gut, dass die Theorie nicht ins Hintertreffen gerät, denn eine theoretische Grundlage ist vor allem auch in unseren Berufen von enormer Bedeutung.»

Bei den Bürojobs, wie zum Beispiel den Kaufleuten, gibt es weder eine praktische noch eine theoretische Prüfung. Hier werden Erfahrungsnoten aus den Betrieben als Massstab genommen und entscheiden über den erfolgreichen Abschluss. Auch beim Detailhandel entfällt die praktische Prüfung gänzlich. Marcel betont aber: «Wir haben unsere Lernenden in den letzten Wochen trotzdem weiterhin eng begleitet und beim Lernen unterstützt. Denn wir wollen nicht, dass sie nur für ihre Abschlussprüfungen lernen, sondern möglichst viel davon auf ihren Arbeitsweg mitnehmen. Sie sollen das Gelernte für ihre künftige Stelle anwenden können – Corona hin oder her.»

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