Guten Tag Herr Hannesbo, wir treffen Sie am Autosalon 2018 in Genf. Welche Highlights haben Sie gesehen?

Ich bin natürlich mehrheitlich auf unseren Ständen gewesen. Aber zwischendurch habe mir aber auch einige Sportwagen mit 1500 PS von anderen Herstellern angeschaut. Diese faszinieren mich immer noch sehr, obwohl sie vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäss sind.

Bei unseren Marken ist sicherlich ŠKODA Vision X ein Highlight. Dann ist der neue A6 von Audi wunderschön. Aus meiner Sicht sowohl innen wie aussen der absolute Hammer und 100% Perfektion. Auch der CUPRA Ateca finde ich eine interessante Lösung, um mit der Marke mit einem starken Modell in den Markt zu starten. CUPRA wird als eigenständiges Unternehmen geführt und der CUPRA Ateca ist das erste Modell. Die neue Marke steigt damit direkt in den Premium-Bereich ein. Und bei VW ist die I.D. Familie beeindruckend. Man sieht, wie schnell der Konzern an vorderster Front in der Elektromobilität mitspielt. Die I.D. Produkte sind alle sehr spannend, denn sie sind für die breite Masse gemacht – so wie es bei Volkswagen üblich ist. Es sind einfach tolle Autos.

Die I.D. Family am Genfer Autosalon 2018

Die I.D. Family am Genfer Autosalon 2018

Gibt es technologische Innovationen?

Ich finde diejenigen technologischen Innovationen wichtig, die wir demnächst kaufen können und welche nicht nur für einige wenige relevant sein werden. Bei Audi gibt es beim neuen A6 die neue «Mild-Hybrid»-Technologie, mit welcher man das Fahrzeug besser beschleunigen kann. Zudem gewinnt man beim Bremsen Kraft und das Auto kann «segeln». Das heisst, dass das Fahrzeug von 55 km/h bis 160 km/h auf einer geraden Stecke rein elektrisch fahren wird. Das ist einerseits sehr angenehm während der Fahrt und andererseits wird mit dieser Technologie bis zu 0,7 Liter auf 100 km an Treibstoff eingespart.

 

VW hat ja im letzten Jahr die Elektro Offensive gestartet und will bis zum Jahr 2025 50 reine E-Modelle und 30 Plug-in-Hybrid Modelle entwickeln. Wie sehen Sie die Entwicklung der Elektroautos im Schweizer Markt in den nächsten 5-10 Jahren?

Die Einführung neuer Technologien fängt immer sehr langsam an. Irgendwann nimmt die Entwicklung dann aber Fahrt auf und steigt exponentiell an. Wir werden die gleiche Entwicklung wie bei den Mobiltelefonen auch bei den Autos sehen, wo wir vor zehn Jahren Handys hatten, die kaum funktionierten und heute haben wir fast kleine Computer in der Hand. Und deswegen wird sich die Elektro-Entwicklung in der Schweiz bzw. in Europa in den nächsten Jahren erst langsam fortbewegen. Gründe dafür sind die fehlende Infrastruktur, die noch relativ neue Technologie und dass sich die Batterieleistungen sehr schnell verbessern. Ich schätze, dass die Entwicklung bis ca. 2025 sehr langsam gehen wird und sich danach beschleunigen wird. Der Tipping-Point, also dann, wenn das Elektroauto für die breite Masse interessant wird, wird wahrscheinlich erst 2030 sein.

 

Wie sehen aus Ihrer Sicht die Entwicklungen im Bereich des autonomen Fahrens aus?

Beim autonomen Fahren bin ich noch nicht ganz überzeugt, dass es einerseits für jeden relevant sein wird und andererseits, ob wir diese Technologie so schnell einführen können. In gewissen Teilbereichen, wie zum Beispiel dem Einparken oder dem Fahren auf der Autobahn, wird es sicherlich möglich sein. Das Auto zum Beispiel am Flughafen abgeben zu können und es parkiert sich selbst oder lässt sich waschen und betanken, wäre sehr zeitsparend. Das autonome Fahren auf der Autobahn wäre von der Technologie her zwar heute schon möglich, aber es fehlt die Gesetzgebung. Die ultimative Lösung, bei welcher das Fahrzeug von Zuhause bis in die Innenstadt – bei jeder Witterung – autonom fährt, sehe ich in den nächsten 20 Jahren aber nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in der Lage sein werden, die Technologie so robust zu entwickeln, dass dies möglich sein wird.

Morten Hannesbo, CEO AMAG Group AG, am Autosalon 2018 in Genf

Gibt es eine spezielle Begegnung oder ein Moment, welchen Sie am schon einmal an einem Autosalon erlebt haben?

Ich bin nun zum 31. Mal am Autosalon in Genf und war auch jeweils schon ungefähr 15 Mal in Paris und in Frankfurt. Als sich 9/11 ereignete, war gerade die IAA in Frankfurt. Damals war am Morgen wie immer an einer Automobilmesse noch Musik von den Ständen hörbar. Als aber dann der Anschlag publik wurde, wurde jegliche Bespielung ausgeschaltet. Auch heute noch bekomme ich noch Hühnerhaut, wenn ich daran denke. Hoffentlich passiert so etwas nie wieder. Dieses Erlebnis ist zwar kein Positives, hat sich dennoch bei mir stark eingeprägt.

 

Kurzinterview mit Morten Hannesbo

 

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