Stefan Metzger bei seiner Präsentation vor dem Publikum.

Für Stefan Metzger gleicht die Smart City einem Bienenstock.

Digitalisierung, Verdichtung und Automatisierung schreiten immer weiter voran, innovative Lösungen in vielen Bereichen sind gefragt. Sei es in der Mobilität (Stichwort Pendlerströme brechen), in der Verwaltung (Stichwort E-Voting) oder der Umwelt (Begrünung von Hausdächern und Fassaden).  Doch wo liegen einfach umsetzbare Lösungen auf der Hand? Und was zeichnet eine Smart City eigentlich aus? Mit genau solchen Fragestellungen beschäftigt sich Stefan Metzger, der das «Smart City Programm» bei Swisscom leitet.

Die Smart City als Bienenstock

Der Begriff Smart City steht für intelligente Städte, die ein nachhaltiges urbanes Leben ermöglichen. Durch Digitalisierung und Vernetzung sollen die Städte Mobilitätsengpässe überwinden, den Klimaschutz fördern und das Zusammenleben verbessern. Laut Metzger können wir von den Bienen lernen, wie wir unsere Städte mit smarter Technik effizienter und umweltfreundlicher machen können. Denn Bienen sind ideal miteinander verbunden (Stichwort Konnektivität, Internet of Things, also die Verknüpfung von alltäglichen Gegenständen wie Kühlschränken mit dem Internet), leben auf engstem Raum (Urbanisierung), kommunizieren zielgerichtet und produzieren nur so viel Honig wie benötigt wird. Die ideale intelligente Stadt, also.

Eine Smart City muss nicht fancy sein

Das Erfolgsrezept liegt für Metzger nicht in möglichst ausgefallenen neuen Ideen, sondern vielmehr in einfachen Mitteln, die zu einer smarteren Stadt führen. Beispiel: Begrünung von unbenutzten Flächen wie Dächern oder Wänden. Hiermit kann schon viel zum CO2 Ausgleich beigetragen werden ohne viel Entwicklungsaufwand. Um gezielt zu handeln, kann jedoch die neuste Analysetechnologie helfen. Sie hilft uns unsere Umwelt besser zu verstehen und am richtigen Ort anzusetzen. Im Zentrum stehen dabei die ökologische und technologische Nachhaltigkeit sowie die Zusammenarbeit. Eine Biene alleine ist nicht sehr intelligent, alle zusammen aber bilden das perfekte Ökosystem.

Der Mensch steht im Zentrum

Für Metzger ist klar, dass eine Smart City den Menschen in den Mittelpunkt stellen muss. Es bringt nichts, Lösungen zu entwickeln, die dem Durchschnittsbürger keinen Mehrwert bringen. Die Akzeptanz von neuen Konzepten in der Masse ist entscheidend für deren Erfolg. Auch Anreize sind dabei erlaubt und sogar notwendig. Denn nur wenn diese Lösungen, wie zum Beispiel die Paketzustellung direkt in den Kofferraum oder das Carpooling auch genutzt werden, tragen sie zu einer Smart City bei.

Anonymität ist eine Illusion

In der Mobilität von morgen ist die Anonymität laut Metzger eine komplette Illusion. Denn das Potenzial in der Verknüpfung von Mobilitätsthemen ist enorm. Dafür sind Daten unabdingbar. Dies bedeutet nicht, dass ein Rückschluss auf Einzelpersonen erforderlich ist, das Aggregat dieser Daten ist aber entscheidend, quasi «Data for Good». Daten helfen uns die Städte und unsere Umwelt besser zu verstehen, um daraus ganz neue Lösungen abzuleiten, auf die man ohne die Erkenntnisse aus Daten gar nie gekommen wäre. So kann gezieltes Tracking von Fahrradfahren dazu dienen, eine viel bedarfsgerechtere Velo-Infrastruktur zu bauen und so den Veloverkehr zu fördern. Andere Städte haben sich bereits grosse Ziele gesetzt. So will Helsinki bis 2025 eine Infrastruktur bieten, die den Privat PKW überflüssig machen soll.

Symbolisierung von Big Data durch einen Tunnel mit vielen Nummern.

Big Data bietet viele Möglichkeiten.

Anbieter werden zu Nachfragern und umgekehrt

Durch die Verschmelzung und Kombination von Angeboten und Dienstleistungen werden Anbieter zu Nachfragern und umgekehrt. Jeder kann heute zum Beispiel sein Auto zum Sharing freigeben und wird damit quasi zum Autoanbieter. Grosse Firmen beziehen wiederum diese Dienstleitungen und werden zum Nachfrager. Für Metzger geht es jedoch vielmehr darum, in einem Partnerökosystem zu agieren. Alte Formen der Zusammenarbeit und 1:1-Beziehungen haben länger je mehr ausgedient. Solche Ökosysteme bringen neben einigen Herausforderungen vor allem enormes Potenzial. Beispielsweise im Projekt «Cargo Sous Terrain» arbeiten Swisscom, Post, SBB und weitere Firmen an einer Lösung, Güter unterirdisch von A nach B zu transportieren. Ein gemeinsames Verständnis von Smart City und die Offenheit gegenüber Partnern ist dabei enorm wichtig.

Fazit: Eine Smart City muss einfach sein

Smart Cities brillieren viel weniger durch Komplexität, sondern vielmehr durch die Einfachheit ihrer Lösungen. Dabei darf bei aller Liebe zur Technologie der Mensch nicht aus den Augen verloren werden. Denn er steht im Zentrum der Smart City.

Mehr dazu auch auf swisscom.ch/bienen.

Titelbild: Bruno Augsburger


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1 Kommentare

  • Landert Manfred

    VolkswagenMagazin