Prognosen gehen davon aus, dass bereits im Jahr 2030 die ersten autonom fahrenden Fahrzeuge auf den Strassen unterwegs sein dürften. Eine repräsentative Studie von comparis.ch kommt dabei zum Schluss, dass 53 % der Schweizer Bevölkerung bei autonom fahrenden Autos aber Angst vor Kontrollverlust haben. Gleichzeit freuen sich aber 37 % der Befragten über die technologischen Fortschritte bei den Fahrzeugassistenzsystemen bis hin zum selbstfahrenden Fahrzeug. Bis es aber soweit ist, dauert es noch eine Weile.

Experten unterscheiden fünf Stufen der Automation. Aktuell befinden wir uns in der zweiten Stufe. Will heissen, dass das Auto durch Fahrzeugassistenzsysteme den Fahrer unterstützt, aber die Verantwortung über das Fahrzeug immer beim Fahrer liegt.

100 Steuergeräte in einem Auto

Heute sind in modernen Fahrzeugen ungefähr 100 Steuergeräte eingebaut. Durch diese wird beispielsweise der Notbremsassistent gesteuert, der bei Gefahr und Nichtreaktion des Fahrers eine Vollbremsung einleiten kann. Eine Technik, die bereits der dritten Stufe der Automation zugeordnet werden kann. Für deren Umsetzung stellt sich aber aktuell noch die vorherrschende Gesetzeslage in den Weg. Denn heute muss der Fahrer während der gesamten Fahrt beide Hände am Steuer haben. Zudem gibt es auch viele Skeptiker, die den Fahrzeugassistenzsystemen nicht hundertprozentig vertrauen und somit auch nicht vollumfänglich nutzen.

Für Roger Allenspach, AMAG Market Manager Body & Paint, ist klar: «Wir müssen den Menschen die Vorteile und die einfache Handhabung der Fahrzeugassistenzsysteme aufzeigen. Werden diese nämlich korrekt genutzt, erhöht sich die Sicherheit für die Autofahrer und für die gesamte Umgebung.»

Auch Versicherungen erhoffen sich mit der zunehmenden Automatisierung Erleichterung im Unfallmanagement, tiefere Unfallzahlen, geringere Kosten und verfolgen darum mit Spannung die technologischen Neuentwicklungen. Rainer Kühl, After Sales Marketing and Programmes Volkswagen AG, betont: «In der Zukunft wird der verstärkte Einsatz von Assistenzsystemen bis hin zur Entwicklung zum Autonomen Fahren, unsere Mobilität und im Besonderen die Verkehrssicherheit zum Positiven verändern. In Bezug auf die Sicherheit bedeutet das konkret, dass es deutlich weniger Unfälle und damit weniger Verletzte und Unfallopfer geben wird.»

Fahrzeugassistenzsysteme: Unscheinbare Helferlein mit grosser Wirkung

Die Zahl der Fahrzeugassistenzsysteme ist immens und oftmals wird nur ein Bruchteil von diesen genutzt. Eine kleine Auswahl davon stellte die AMAG an einem kürzlich stattgefundenen Informationsnachmittag auf dem Gelände der ASSR Antischleuderschule Regensdorf vor.

Stefan Binggeli, Teamleiter Technical Training AMAG Academy, demonstrierte zusammen mit seinem Team an anschaulichen Praxisbeispielen einige Fahrzeugassistenzsysteme in nachgestellten Alltagssituationen.

Parkassistent

Der Parkassistent gehört bei den neuesten Modellen fast schon zur Grundausstattung. Die vier seitlichen Sensoren messen die Länge und Tiefe des Parkplatzes und das System lenkt das Auto selbstständig in eine Längs- oder Querlücke. Nur bremsen oder Gas geben, dass muss der Fahrer noch selber.

Die Sensoren sind kaum ersichtlich und befinden sich unter anderem im hinteren Stossfänger des Autos.

Die Sensoren sind kaum ersichtlich und befinden sich unter anderem im hinteren Stossfänger des Autos.

Der Einparkassistent im Einsatz

Der Einparkassistent bremst bei Kollisionsgefahr automatisch ab

Ausparkassistent

Der Ausparkassistent warnt den Fahrer vor Objekten (Mindesthöhe der Objekte von 70cm), die sich im Heckbereich befinden. Das Warnkonzept ist dreistufig aufgebaut und läuft wie folgt ab:

  1. Visualisierung des herannahenden Objektes im Display
  2. Akustische Warnung
  3. Bremseingriff bei Kollisionsgefahr
Stefan Binggeli demonstriert mit einer Attrappe wie der Ausparkassistent bei herannahenden Objekten reagiert.

Nachtsichtassistent

Diese Assistenzfunktion unterstützt die sichere Fahrt bei Nacht oder schlechten Sichtverhältnissen. Ähnlich wie bei einer Infrarotkamera zeigt es auf der Schalttafel (Multifunktionsanzeige) Menschen oder Tiere an, die in der Nähe der Fahrbahn sind. Befinden sich die lebenden Objekte nicht im Gefahrenbereich, erscheinen diese als graue Figuren.

Färben sich die Objekte gelb oder rot, wird eine Warnleuchte mit Bremssymbol aktiviert und ein heller Warnton wird gesendet. Mit einem kurzen, zielgerichteten Aufblenden der Matrix-LED-Scheinwerfer werden Mensch oder Tier dem Fahrer signalisiert.

Die Person in der Mitte befindet sich im Gefahrenfeld und wird mithilfe eines kurzen Aufblendens der Scheinwerfer gewarnt.

Die rot markierte Person befindet sich im Gefahrenfeld und wird mithilfe eines kurzen Aufblendens der Scheinwerfer gewarnt.

Die Wärmebildkamera hat eine Reichweite von bis zu 100 Metern. Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Fahrer genügend Zeit um zu Reagieren hat.

ACC

Die neuste Version der automatischen Distanzregelung beinhaltet nebst dem Tempomat, auch eine Zeitdistanzregelung. Will heissen, dass man den Abstand zum vorderen Auto zeitlich bestimmen (Zeitlücke) kann. Dabei sind gesetzlich mindestens zwei Sekunden Pflicht.

Die Frontsensoren erfassen je nach Modell vorausfahrende Fahrzeuge bis zu einer Distanz von 250 Metern.

Die Frontsensoren erfassen je nach Modell vorausfahrende Fahrzeuge bis zu einer Distanz von 250 Metern.

Immer aufmerksam bleiben, auch in modernen Autos

Die heutigen Fahrzeugassistenzsysteme erleichtern bei korrekter Anwendung die Autofahrt. Nicht umsonst haben sie den Übernamen «Stille Beifahrer». Gleichzeitig betont aber Stefan Binggeli: «Die heutigen Fahrzeugassistenzsysteme helfen Unfälle zu vermindern, sie können aber nicht in jedem Fall Unfälle verhindern.»

Die Teilnehmer des Informationsnachmittags sind sich einig, dass Assistenzsysteme grössere Beachtung erhalten müssen. Erleichtern sie doch so manch verzwickte oder stressige Situation. Tatsache ist aber, dass noch einige Jahre vergehen werden, bis die fünfte Stufe erreicht und die Gesellschaft komplett mit autonom fahrenden Autos unterwegs sein wird.

 

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1 Kommentare

  • Roger

    Vielen Dank an alle die mitgeholfen haben diesen Anlass so erfolgreich zu gestalten.
    Ich habe ausschliesslich positive Rückmeldungen erhalten.
    Es haben sich bereits Nachfolgekontakte und Projekte ergeben.