Es ist 8.00 Uhr als wir Bea Angst am AMAG Hauptsitz in Cham zum Interview treffen. Gleich beim ersten Satz erfahren wir, dass sie eigentlich überhaupt kein Morgenmensch, sondern eine totale Nachteule ist. Und Sitzungen vor 9.00 Uhr ein Graus für sie sind. Jetzt fühlen wir uns etwas schuldig, aber auch doppelt geehrt, dass sie uns trotzdem Red und Antwort steht.

Liebe Bea, bitte erzähle uns, wie sich deine berufliche Karriere bei der AMAG entwickelt hat

Ich habe ursprünglich eine KV Lehre in der Möbelbranche absolviert. Bei der AMAG bin ich als Direktionsassistentin in Buchs eingestiegen. Obwohl ich damals überhaupt keinen Bezug zum Automobil hatte, fand ich die Stellenbeschreibung ganz interessant und habe mich beworben. Ich erinnere mich noch gut, dass ich als Assistentin ganz viele Rundschreiben mit der Schreibmaschine verfassen musste und wenn mir im letzten Satz nur ein kleiner Fehler unterlief, musste ich nochmals von vorne beginnen. Heute drückt man die «delete Taste» und das Problem löst sich in Luft auf.

Nach wenigen Jahren durfte ich die Personalleitung des Standorts übernehmen. Das war ein grosser Schritt für mich, habe ich in diesem Bereich doch meine Berufung gefunden. Mit und für Menschen zu arbeiten erfüllt mich auch heute noch mit grosser Freude und Befriedigung.

Beas Foto auf ihrem Bewerbungsschreiben an die AMAG

Damals war die Arbeit in der Personalabteilung sicher ganz anders als heute. Kannst du uns ein, zwei Beispiele nennen, die das beweisen?

Ja selbstverständlich. Wir hatten beispielsweise ein ganz anderes Verständnis von Personalbetreuung. Diese ging oft weit über die beruflichen Grenzen hinaus. Ich erinnere mich an einen Fall, wo Mutter und Sohn beide bei uns arbeiteten. Leider verstarb die Mutter sehr früh und die ganze Familie reiste für die Beerdigung ins Ausland. Ich habe mich dann anerboten, während der Abwesenheit die Geranien in der Wohnung der Familie zu giessen. Mithilfe dieser Art war dannzumal Gang und Gäbe.  Heute unterstützen wir unsere Mitarbeitenden in schwierigen Situationen, indem wir ihnen z.B. professionelle Care Teams zur Seite stellen.

Ebenfalls habe ich noch das Bild der meterhohen Stapel an Bewerbungsdossiers lebhaft vor meinen Augen. Früher kamen alle Bewerbungen per Post rein und jede musste einzeln beantwortet, neu verpackt und wieder via Post zurückgeschickt werden.  Manchmal vergingen Wochen bis die Bewerber ihre Dossiers wieder zurückerhalten haben. Heute läuft alles papierlos und die Kandidaten erhalten im Normalfall nach 2 – 3 Tagen bereits ein erstes Feedback.

Du hast es angesprochen, dass die Digitalisierung auch deinen Bereich grundlegend verändert hat. Wo siehst du die Vorteile der neuen Arbeitsweise?

Ich schätze es sehr, dass man heute eine viel grössere Flexibilität und Standortunabhängigkeit hat. Wenn ich meinen Laptop dabeihabe, bin ich arbeitsfähig und kann von überall meine Meetings abhalten und auf meine Dokumente zugreifen. Früher schleppte ich den ganzen Tag einen grossen Rollkoffer mit allen Unterlagen mit mir herum, heute verlasse ich das Haus mit meiner Handtasche. Dies hätte ich mir so nie vorstellen können.

Wie ging es für dich bei der AMAG weiter?

Nachdem ich im Human Resources (HR) meine Berufung gefunden hatte, blieb ich diesem Bereich treu. Ich habe neben Buchs auch die Verantwortung für den Standort Schinznach übernommen und bin dann vom Import ins Retail (AMAG Betriebe) gewechselt. Dort durfte ich als Regionenleiterin einen Bereich führen und konnte bei der Zentralisierung und Ausgestaltung der HR-Funktion zu dem was sie heute ist, einen wesentlichen Beitrag leisten. Jetzt bin ich seit rund zweieinhalb Jahren HR-Leiterin Retail. Parallel habe ich mich laufend weitergebildet und mein Wissen auf dem neuesten Stand gehalten.

Wenn du nochmal 20 Jahre alt wärst, was würdest du anders machen und den Jungen heute raten?

Ehrlich gesagt halte ich es hier mit Edith Piaf’s «je ne regrette rien». Ich lebe in der Gegenwart und traure nicht verpassten Chancen nach. Jüngeren Menschen würde ich raten möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, ihren Horizont laufend zu erweitern sowie einen Beruf zu suchen, der sie erfüllt und glücklich macht. Genauso wie ich es im HR gefunden habe.

 

Bea Angst

  • Leiterin HR Retail
  • liebt die schönen Künste und macht ihrem Namen
  • «Beatrice die Glückselige» alle Ehre

 

 

Weitere Links und Artikel zum Thema:

1 Kommentare

  • Piero

    … oder das HR bringt die an den Arbeitsplatz gelieferten Rosen an die private Adresse des Mitarbeiters hinterher… 😉