Die Worte des Pfarrers sind gut verständlich und ergeben trotzdem keinen Sinn. Aber die Trauer der Anwesenden ist förmlich greifbar und es wird klar, dass der Verstorbene zu früh aus dem Kreis seiner Familie und seiner Freunde gerissen wurde. Der Kampagnenspot, der schweizweit in drei Sprachen in den Kinos als Vorfilm gespielt wird, ist bedrückend. Man sieht den Pfarrer, wie er scheinbar aus der Bibel abliest und erst später wird offenbart, von wem die letzten Worte stammen. In diesem Moment realisiert man, dass die Trauer der Anwesenden so gross ist, weil der Tod so unnötig war. Und wie einfach dieser hätte vermieden werden können.

Der Kampagnenspot «Die letzten Worte» – Eine klare Botschaft

Den Machern des Kurzfilms gelingt es, die Nachricht der Kampagne wirkungsvoll zu verankern, in dem sie ihn emotional erfahrbar gestalten. Der Film dreht sich ums Thema Abschied und Tod und soll dem Publikum eine klare Botschaft vermitteln: Nichts auf dem Smartphone ist so wichtig, dass es nicht warten kann. Und niemals soll dem Handy durch falschen Gebrauch im Strassenverkehr die Rolle zukommen, über Leben und Tod zu entscheiden. Denn nichts auf diesem Gerät ist so wichtig, dass es nicht warten kann und wir uns deswegen in Gefahr begeben. Und damit auch andere Verkehrsteilnehmende gefährden. Dies sind die eindringlichen Botschaften der laufenden Kampagne «Handy in die Tasche».

Die Erfahrung aus jahrelanger Präventionsarbeit

Eine Kampagne nur für Jugendliche und junge Erwachsene mag im ersten Moment nicht sinnvoll erscheinen, betrifft das Thema doch alle Altersgruppen. Dies kann man auch selber täglich im Strassenverkehr beobachten. Die Leute senken den Kopf und sind teilweise so in ihr Handy vertieft, dass sie ihr Umfeld nicht mehr wahrnehmen. Der Begriff «Smartphone-Zombies» passt dabei manchmal erschreckend gut.

Ziele und Auftrag der gemeinnützigen Stiftung RoadCross Schweiz:

RoadCross Schweiz (RCS), die Stiftung für Verkehrssicherheit, berät und begleitet Betroffene von

Verkehrsunfällen und betreibt Präventionsarbeit. Seit 2012 hat RCS in jährlich gut 450 Veranstaltungen um die 20’000 Personen erreicht. Ein Grossteil davon Jugendliche. RCS ist politisch neutral und setzt sich unabhängig vom Verkehrsmittel für die Verkehrssicherheit ein. Sie ist eine gemeinnützige Stiftung im Sinne der Art. 80ff des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. Die Geschäftsstelle befindet sich in Zürich, ein weiteres Büro in Lausanne.

Stiftungszweck von RCS gemäss Statuten:

  1. Hebung der Verkehrssicherheit
  2. Die Förderung einer gesunden und massvollen Entwicklung des Strassenverkehrs
  3. Die Verminderung der Anzahl der Opfer und Geschädigten des Strassenverkehrs
  4. Beratung und Unterstützung der Opfer und ihren Angehörigen

Die grosse Legitimation dieser Kampagne ist aber der Dialog mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welchen RoadCross Schweiz in ihren Präventionsveranstaltungen für sicheren Strassenverkehr führt. In einem Alter, wo Peers den grössten Einfluss auf das eigene Verhalten haben, ist es wichtig, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Augenhöhe und in ihrer eignen Lebenswelt zu begegnen. Prävention mit dem Mahnfinger funktioniert bei ihnen nicht. So wäre es auch falsch, die Digitalisierung ihres Alltags zu verteufeln oder erst gar nicht zu berücksichtigen. Vielmehr sollte man die Affinität dieser Gruppe nutzen, denn für sie waren das Internet und die mobilen Kommunikationsmittel einfach immer da. Sie sind damit aufgewachsen, nutzen ihre Handys exzessiv, unzählige Male und mehrere Stunden am Tag. «Unsere langjährige Erfahrung in der präventiven Arbeit mit dieser Zielgruppe hat uns gezeigt, dass eine klassische Kampagne ihre Aufmerksamkeit nicht gewinnen kann. Am vielversprechendsten sind die Sozialen Medien, das sind ihre hauptsächlichen Kommunikationskanäle. Dort können wir mit ihnen kommunizieren und die Botschaften am nachhaltigsten platzieren», erklärt Patrizia Koller, die Leiterin der Abteilung Prävention bei RoadCross Schweiz.

Start der Kampagne «Handy in die Tasche» mit Influencer-Unterstützung

Um dem Anspruch der Peer-to-Peer Kommunikation gerecht zu werden, wurde die Kampagne mit Instagram-Stories von schweizweit bekannten Influencer (Janosch Nietlispach, Steven Epprecht oder Snowboarder David Habluetzel) gestartet. Diese unterstützten den Aufruf solidarisch und ohne Entschädigung. Auf ihren Profilen veröffentlichen sie Storys mit einem eigens für die Kampagne entwickelten Selfie-Filter mit Crash-Effekt und dem Hinweis «Handy in die Tasche». So auch Kevin Lütolf, mit rund 550’000 Followers einer der bekanntesten Influencer der Schweiz: «Da ich selbst stets mit meinen Kunden und meiner Community in Kontakt bin, ist mein Blick entsprechend oft auf mein Handy gerichtet. Ich versuche vermehrt, im Hier und Jetzt zu sein und meine Aufmerksamkeit meiner Umgebung zu widmen – insbesondere, wenn ich in der Stadt unterwegs bin, denn gerade dort passieren oft Unfälle wegen Ablenkungen am Handy. Mit der Kampagne von RoadCross Schweiz möchte ich meine Community auf diese Gefahr aufmerksam machen und solche Unfälle verhindern.»

Drei Gründe, warum die Handynutzung im Verkehr so gefährlich ist

  • Schaust Du beim Autofahren mit Tempo 50 nur zwei Sekunden aufs Handy, fährst Du 28 Meter komplett blind.
  • Beim Velofahren erreichst du schnell Tempo 35. Die Aufprallwucht bei einer solchen Geschwindigkeit entspricht einem Sturz ab dem 5 Meterturm in der Badi auf Beton.
  • Auch als Fussgängerin oder Fussgänger muss deine Versicherung je nach Unfallhergang gegen dich ein Regressverfahren einleiten. Dabei können Versicherungsleistungen eingestellt werden und du musst bis zu 80 Prozent des Schadens selbst tragen.

Der Filter steht allen Social-Media-User*innen auf Instagram und Facebook zur Verfügung (nur über mobile zugänglich), damit sie diese Botschaft in den sozialen Netzwerken weiterverbreiten können. Gleichzeitig sensibilisiert eine digitale Werbekampagne mit emotionalen Storys – inszeniert mit den populären Stilelementen von Social Media – auf Snapchat und Instagram. Dabei spielt die Kampagne inhaltlich mit dem Gegensatz der glücklichen Social Media-Welt und der Tragödie und den schlimmen Folgen eines Unfalls auf Grund von Ablenkung im Strassenverkehr.

ÖV-Präsenz und Poster als Brücke in die analoge Welt

Die Kampagne spielt sich aber nicht ausschliesslich im digitalen Raum ab. So ist in Zürich ein Tram der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) im Look der Kampagne zu sehen. Es wird für ein Jahr durch die Stadt fahren und die Kampagnenmessage verbreiten. Die VBZ hat das Tram, welches gespickt ist mit präventiven Inhalten und die Mitfahrenden auf die Thematik sensibilisiert, kostenlos zur Verfügung gestellt um die Kampagne zu unterstützen. Beim Verlassen des Trams wird darauf hingewiesen, dass das Tram zwar einen «Safespace» darstellt, man beim Verlassen das Handy nun aber am Besten wieder in der Tasche versorgt um sich auf den Verkehr konzentrieren zu können.

Aber nicht nur in Zürich, sondern auch in anderen Städten in allen Landesteilen der Schweiz ist die Kampagne ab sofort im ÖV auf Traffic Boards zu sehen. Zudem werden die Poster auch in den Schulen und den Jugendzentren eingesetzt um die Zielgruppe zu erreichen. Verwendet werden dabei die Sujets der online gespielten SocialAds. Der Slogan «Lass deine Story nicht tragisch enden» soll dabei darauf hinweisen, wie fatal ein Moment der Ablenkung durch das Smartphone enden kann. RoadCross Schweiz ist überzeugt mit der Kampagne dazu beizutragen, dass viele Stories ein Happy End finden werden.

Präventionskampagne «Handy in die Tasche»

Möchten Sie Poster der Kampagne bestellen, dann können Sie dies kostenlos tun unter info@roadcross.ch. Weiter Elemente stehen auf der Landingpage der Kampagne zur Verfügung.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit RoadCross Schweiz.

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