Nach einer Lehre als Automechaniker hat Stefan die Handelsschule absolviert und danach in einem Pneuhaus gearbeitet. In dieser Zeit ist er auf die Stelle als Ersatzteilverkäufer bei der damaligen Autorondo AG, die im Jahr 1997 von der AMAG übernommen wurde, aufmerksam geworden. Stefan hat sich auf diese Position beworben und gleich noch am Bewerbungsgespräch die Zusage erhalten – mit der Begründung, er sei der absolute Wunschkandidat. Stefan feiert nächstes Jahr sein 25-jähriges Jubiläum bei der AMAG. Mit Ausnahme eines Abstechers in die Administration in Ebikon, hat Stefan während all den Jahren immer im Ersatzteillager gearbeitet – an den Standorten Ebikon, Oberarth und Cham. Zudem hat er auch noch die Ausbildung zum technischen Kaufmann erfolgreich abgeschlossen.

Arbeitsabläufe im Ersatzteillager

Die Hauptaufgaben von Stefan umfassen unter anderem die Zusammen- und Bereitstellung der bestellten Ersatzteile. Ausserdem macht Stefan die täglichen Bestellungen, erstellt Aufträge, unterbreitet Offerten und betreut Kunden am Schalter und am Telefon. Eine sehr vielseitige und abwechslungsreiche Tätigkeit. Die Werkstatt ist der grösste Kunde des Ersatzteillagers. Jedoch können auch Privatkunden vorbeikommen und bestellte Teile abholen. Im Lager der AMAG Zug sind Ersatzteile für alle 5 Marken (VW, Audi, SEAT, ŠKODA, VW Nutzfahrzeuge) vorhanden.

Das Ersatzteillager öffnet um 7.15 Uhr und schliesst um 18.30 Uhr. Während des Tages gilt es drei wichtige Termine zu beachten:

10.00 Uhr
Um 10.00 morgens ist der Bestellschluss für Bestellungen, die noch am gleichen Tag eintreffen sollen.
15.00 Uhr
Bis um spätestens 15.00 Uhr müssen sogenannte Stockbestellungen, die am Nachmittag des Folgetags eintreffen, gemacht werden. Diese Bestellungen werden bewusst auf den Folgetag und nicht den gleichen Tag bestellt. Das ist effizient, erlaubt eine grössere Preisreduktion und gibt dem grossen Logistiklager in Buchs mehr Rüstzeit. Fast alle Teile werden vom Teilelogistik Zentrum der AMAG in Buchs angeliefert. Dieses fasst über 100’000 original Ersatzteile der Marken VW, Audi, SEAT, ŠKODA und VW Nutzfahrzeuge.
17.00 Uhr
Der letzte wichtige Termin ist um 17.00 Uhr. Das ist der Bestellschluss für Abendbestellungen, die über Nacht angeliefert werden, so dass sie früh morgens für die Ausgabe bereit sind.

Speziell am Ersatzteillager bei der AMAG Zug ist, dass es zudem eine zertifizierte Tesla Carrosserie-Reparaturstelle gibt. Nur Stefan hat zusammen mit einem Arbeitskollegen die Zuständigkeit für diesen Bereich. Da Tesla ein sehr junges Unternehmen ist, musste sich Stefan die Bestellprozesse und -abläufe zuerst aneignen. Sprachlich – die Bestellungen werden auf Englisch gemacht – war es zu Beginn eine Herausforderung, doch Stefan hat sich den Wortschatz schnell angeeignet. Der Einblick in ein junges Automobilunternehmen ist interessant, lehrreich und bringt Abwechslung in den Alltag von Stefan. Die Teile von Tesla wurden früher direkt von Kalifornien her angeliefert. Heute kommen sie aus Holland.

Das Lager ist zu jeder Jahreszeit ziemlich gut mit Ersatzteilen gefüllt und es bleiben wenig freie Plätze in den Regalen. Während der Reifensaison im Winter spitzt sich dann die Lage noch zu und es wird voll im Lager. Doch das beruhigt sich nach der Reifensaison wieder. Körperlich ist die Arbeit im Vergleich zu früher nicht mehr gleich anspruchsvoll. Stefan bedauert sehr, dass nicht mehr Frauen diesen Beruf ausüben, da es doch eine sehr vielseitige und spannende Tätigkeit ist. Stefan hat seine Partnerin, die seit 35 Jahren bei der AMAG und heute im Ersatzteillager in Buchrain arbeitet, so kennengelernt. Und zwar, als sie damals zusammen im Regionallager gearbeitet haben.

Als Schweizermeister nach Spanien an die Weltmeisterschaft

Am meisten Freude an seinem Beruf macht ihm die Herausforderung, komplexe Aufgaben zu lösen und anderen zu helfen. Oftmals kommen Personen zu ihm und benötigen Unterstützung bei der Suche und Bereitstellung der passenden Ersatzteile. Das richtige Ersatzteil zu finden ist nämlich nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Zwar haben sich die Prozesse im Vergleich zu früher mit der fortschreitenden Digitalisierung vereinfacht. Doch es kommt vor, dass ein Ersatzteil für die eine Marke vorhanden, für eine andere Marke im entsprechenden Katalog jedoch nicht aufgeführt ist. Dann ist Kreativität und Know How gefragt, um das passende Teil zu finden. Nach 25 Jahren im Ersatzteillager hat Stefan sehr viel Erfahrung, weiss von der Existenz gewisser «unsichtbarer» Teile und kann diese dann korrekt paaren und einsetzen. Sein ausgezeichnetes Fachwissen hat er auch schon mehrfach unter Beweis gestellt. Und zwar hat Stefan an einem Wettbewerb in der Rubrik «Teiledienst» mitgemacht und wurde in seiner Kategorie Schweizermeister. Als erste Hürde musste er einen Onlinefragebogen ausfüllen und sich nach der Qualifikation noch einer praktischen und schriftlichen Prüfung unterziehen. Doch damit nicht genug. Der Schweizermeister Stefan konnte dann nach Spanien in der Nähe von Barcelona an die Weltmeisterschaft reisen und hat dort den ausgezeichneten 8. Rang besetzt.

Ersatzteile von gross bis klein

Von den über 2’500 Positionen im Ersatzteillager der AMAG Zug geht Stefan auf ein paar davon kurz ein. Das wohl kostspieligste Teil, das ersetzt werden kann, ist ein ganzer Motor. Dann gibt es aber auch clevere «nice to have»-Teile, wie zum Beispiel einen Eiskratzer, der in der Tankklappe eingebaut ist. Oder eine Vorrichtung in der Türverkleidung, in welcher man einen Regenschirm verstauen kann und ihn somit beim Aussteigen gleich zur Hand hat. Dann gibt es die intelligenten Teile, wie der Radarsensor beim Spurwechselassistenten. Diese Sensoren werden in den Stossstangen eingebaut und tragen viel zur zusätzlichen Sicherheit im Strassenverkehr bei. Gewisse Ersatzteile sind mit dem roten Schriftzug «DATA» vermerkt, weil sie ein Ablaufdatum haben. Das sind nicht nur Motorflüssigkeiten und Schmierstoffpasten, sondern auch Scheibenwischerblätter, da der Gummi auch bei Nichtgebrauch mit der Zeit altert und spröde wird. Auch unter Ersatzteilen gibt es jene, die in der Handhabung schwieriger sind. Beispielsweise ein ganz kleiner Dichtering, der bei Dieselmotoren eingesetzt wird (siehe Bild). Nur schon das Herausfischen aus der Ablage stellt für stattliche Hände eine Herausforderung dar.

Stefan liebt seinen Beruf als Ersatzteilverkäufer und wir hoffen, dass er der AMAG noch weitere 25 Jahre erhalten bleibt.

Weitere Artikel zum Thema:

Mein spannender Beruf: Lieferdienstfahrer

Mitarbeitende im Fokus: Gezim Zega

Massstäbe in der Teilelogistik

Mitarbeitende im Fokus: Daniel Marbach

Es gibt noch keine Kommentare.