Der Megatrend der Urbanisierung wirkt sich auch auf den Mobilitätsbereich aus: Lebten 1950 nicht einmal ein Drittel der Menschen in der Stadt, sind es heute mehr als die Hälfte – Tendenz steigend. Mit der Anzahl Bewohnern in den Städten steigt auch die Auslastung der Verkehrswege. Neue Lösungen sind gefragt. Hier setzt die Mikromobilität an.

Was ist Mikromobilität?

Unter Mikromobilität versteht man elektrisch angetriebene Kleinstfahrzeuge, die alternativ zu herkömmlichen Transportmitteln genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise Elektrofahrräder (E-Bikes), E-Scooter oder Segways. Da diese Verkehrsmittel nicht viel Platz benötigen und vor allem für Kurzstrecken konzipiert sind, bieten sie eine Lösung für überfüllte Städte und gewinnen deshalb immer mehr Beachtung. Insbesondere für die Fortbewegung auf der sogenannten letzten Meile (beispielsweise von der Tramhaltestelle zum Büro) sind sie praktisch. Laut einer Untersuchung von McKinsey & Company steckt bis 2030 in solchen Angeboten in Europa ein Umsatzpotential von 150 Milliarden Dollar, weltweit sogar bis zu 500 Milliarden Dollar. Trotz oder gerade wegen der rasanten Entwicklung gibt es immer noch viele unbeantwortete Fragen zu deren Nutzung, Zulassung und der Gesetzgebung.

E-Scooter oder E-Bike?

Vergleicht man die Mietangebote von E-Scootern und E-Bikes, kann man doch einige Unterschiede festmachen. Studien haben gezeigt, dass E-Scooter für Kurzstrecken von 1 bis 3 Kilometer verwendet werden, während ein E-Bike für längere Strecken bis zu 12 Kilometer bevorzugt wird. Somit lässt sich schlussfolgern, dass der E-Scooter die Quartiersgrenzen nicht verlässt, das E-Bike hingegen innerhalb der Stadtgrenzen operiert. Entsprechend der längeren zurück gelegten Strecken sind Nutzer auch bereit, einen längeren Weg auf sich zu nehmen, um ein E-Bike per App «anzumieten».

Weiter können Mikromobilitätsangebote nach «stationsbasiert» oder «stationslos» (free floating) unterschieden werden. Bei ersterem muss das Transportmittel wieder an einer festen Station zurückgegeben werden, bei letzterem nur in einer definierten Zone (zum Beispiel innerhalb der Stadtgrenzen). Es liegt auf der Hand, dass free floating für den Kunden einen Vorteil darstellt. Für den Betreiber ist es jedoch aufwendiger, da die Fahrzeuge an unterschiedlichsten Orten eingesammelt und auch wieder ausgeglichen verteilt werden müssen. Der Fachbegriff dafür nennt sich «Balancing». Beispiele für solche free floating E-Scooter-Angebote findet man weltweit bei Lime, Bird, Tier und weiteren Anbietern. Ein Beispiel für stationsungebundene E-Bikes ist das Schweizer Unternehmen smide, das hierzulande in den Städten Zürich, Zug und Bern vertreten ist und als erste Firma weltweit stationsungebundene E-Bikes angeboten hat.

Und was ist mit dem Auto?

Die Angebote der Mikromobilität erobern immer mehr die Städte. Doch Mikromobilität führt nicht per se zu weniger Verkehr auf den Strassen. Vor allem E-Scooter bringen eher Fussgänger auf die Strasse und sorgen damit für mehr Verkehr. E-Bikes ersetzen durch ihren grösseren Radius eher Autofahrten. Hat es so überhaupt noch Platz für Autos? Studien gehen davon aus, dass das Auto immer mehr aus den Städten verschwinden wird und sich andere Mobilitätsformen, die weniger Platz benötigen und flexibel einsetzbar sind, ausbreiten werden. Das bedeutet aber keinesfalls, dass wir kein Auto mehr auf unseren Strassen sehen werden. Vielmehr werden sich die verschiedenen Transportmittel ergänzen und das Auto vor allem für Langstrecken oder in abgelegeneren Gebieten ausserhalb der Städte zum Zug kommen.

Waren es bisher vor allem Start-ups, die den E-Scooter- und E-Bike-Markt bestimmten, entdecken jetzt auch die Autokonzerne Mikromobilität für sich. Der Volkswagenkonzern entwickelt viele neue Transportmittel, die die Fortbewegung mit dem Auto ergänzen sollen und für die Städte konzipiert sind. Beispiele hierfür sind der dreirädrige E-Scooter Cityskater von Volkswagen, der Audi e-tron Scooter, der SEAT eXS Kickscooter oder das E-Bike KLEMENT von ŠKODA.

Ein Bild des KLEMENT von ŠKODA.

Der KLEMENT wurde von ŠKODA am diesjährigen Autosalon Genf vorgestellt.

Philipp Wetzel, Managing Director des AMAG Innovation & Venture LAB, spricht im Video, das nach dem Event «What’s new?»* geführt wurde, über das Verhältnis der AMAG zur Mikromobilität:

* What’s new?: Es handelt sich hierbei um eine Veranstaltungsreihe, die sich den Trends und den Zukunftsszenarien im Bereich Mobilität widmet. Veranstalter ist das AMAG Innovation & Venture LAB.

 

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1 Kommentare

  • Leon Gabban

    Ich finde dieses Video sehr spannend