Roger, du bist Key Account Manager Sonderfahrzeuge bei AMAG Import AG. Was heisst das genau?

Ich bin Ansprechperson für sämtliche Belange, die mit «Blaulicht», also Sonder- und Einsatzfahrzeugen, zu tun haben. Diese umfassen unter anderem die Beantwortung von Ausschreibungen, das Erstellen von Fahrzeugofferten und nicht zuletzt die Kundenberatung. Des Weiteren koordiniere ich Testfahrten mit Blaulichtkunden und unseren Testfahrzeugen und berate, coache und schule die Händler der AMAG Handelsorganisation im Umgang mit Blaulichtkunden. Zudem leiste ich auch Hilfestellung bezüglich der Abwicklung, da diese Blaulichtfahrzeuge in den meisten Fällen sehr aufwendige und kundenspezifische Umbauten erhalten.

Was ist unter dem Begriff Blaulichtfahrzeuge zu verstehen – und wer sind die Kundinnen und Kunden dafür?

Blaulichtfahrzeuge sind per Definition Einsatzfahrzeuge der Polizei, Feuerwehr und Ambulanz.

Roger Beglinger, Key Account Manager Sonderfahrzeuge AMAG Import AG

Den Grossteil der Kundschaft macht die Polizei mit ihren Einsatzfahrzeugen aus – rund 85 %. Darunter fallen auch verdeckte, also nicht erkennbare Polizeifahrzeuge für spezielle Verwendungszwecke. Die Feuerwehr, hauptsächlich Kommandofahrzeuge und die Ambulanz- oder Notarztfahrzeuge machen rund 15 % unseres jährlichen Blaulichtvolumens aus.

Was braucht es für dieses anspruchsvolle Berufsbild und wie bist du dazu gekommen?

Als gelernter Automechaniker haben mich Technik und Autos schon immer interessiert – und technisches Verständnis ist eine der Voraussetzungen für diesen Job. Eine andere ist die langjährige Erfahrung im Firmen- und Grosskundengeschäft sowie viele Jahre Erfahrung im Verkauf und im direkten Kundenkontakt. Von mir erhalten die Kunden alles aus einer Hand, was sehr geschätzt wird. Darüber hinaus habe ich seit über zwanzig Jahren «Polizei-Erfahrung» – als nebenberuflicher Ausbildner bei Polizei-Fahrsicherheitstrainings.

Welche Marken und Modelle bietet die AMAG als Blaulichtfahrzeuge an?

Sämtliche Fahrzeuge mit 4×4-Antrieb, automatischem Getriebe und hoher Nutzlast sind grundsätzlich dafür geeignet und davon haben wir einige in unserem Angebot. Bis heute werden Dieselfahrzeuge gegenüber Benzinern, Hybrid- und auch Elektrofahrzeugen immer noch bevorzugt. Der Grund dafür ist in erster Linie der geringere Treibstoffverbrauch bei schwereren Fahrzeugen mit Dieselmotor, denn die Einsatzfahrzeuge führen in den meisten Fällen viel und schweres Polizeimaterial mit sich, welches das Fahrzeuggewicht deutlich erhöht. Der Transporter VW T6.1 und die beiden SUVs ŠKODA KODIAQ und KAROQ machen übrigens 40 % aller jährlich verkauften Blaulichtfahrzeuge in der Schweiz aus.

Was wird in einem Blaulichtfahrzeug alles an Ausrüstung verbaut?

Der Umfang richtet sich immer nach dem Verwendungszweck und kann sehr unterschiedlich sein. Üblich bei Polizeifahrzeugen sind Blaulichtbalken, Sirene, Frontblitzer, Polizeimatrix vorne und hinten (Leuchtschrift, zum Beispiel mit der Aufforderung «Stop Polizei»), Polycom Funkanlage, Befestigungen für iPads, Unfalldatenschreiber, Waffenschublade und ein individueller Heckausbau. Immer häufiger werden auch die grossen Fahrzeugnavigationsbildschirme mittels speziell entwickelter Schnittstellen als iPad Ersatz im Fahrzeug genutzt.

Und welche Vorgaben gibt es für den Umbau auf ein Blaulichtfahrzeug?

Alle technischen Einbauten müssen durch den jeweiligen Ausbauer (spezialisierte Fachbetriebe) bei der Motorfahrzeugkontrolle geprüft werden. Nach erfolgter MFK-Abnahme gibt es einen Eintrag im Fahrzeugausweis über den besonderen Verwendungszweck.

Das Thema Elektromobilität ist in aller Munde: Werden elektrifizierte Antriebe bei den Behörden auch als Blaulichtfahrzeuge eingesetzt?

Ja, und das mit stark zunehmender Tendenz. Einerseits gibt dies die Politik durch die CO2-Vorgaben vor, andererseits sind die Behörden für innovative Antriebsmöglichkeiten offen und möchten mit gutem Beispiel vorangehen. Kantone, Städte aber auch Regionen setzen vermehrt auf Elektrofahrzeuge. Bisher war die Auswahl an geeigneten Fahrzeugen nicht sehr gross, diese nimmt jetzt aber rasant zu. Als Beispiel: Der vollelektrische Audi e-tron überzeugt immer mehr Blaulichtkunden aufgrund seines Allradantriebs, seiner hohen Nutzlast (über 530 kg), kurzen Ladezeiten und wegen seiner grossen Reichweite (e-tron 55 bis zu 436 km nach WLTP).

Die Kantonspolizei Zürich startete mit dem ersten Audi e-tron im Februar 2020, die Zürcher Stadtpolizei hat im Februar dieses Jahres die ersten drei Audi e-tron in Betrieb genommen und weitere vier Fahrzeuge folgen im Juli 2021. Auch weitere Kantone, Städte und Regionalpolizeiorganisationen in der ganzen Schweiz erhalten in den nächsten Wochen und Monaten ihre Elektrofahrzeuge (Audi e-tron) von uns.

Elektrofahrzeuge eignen sich grundsätzlich sehr gut als Blaulichtfahrzeuge, da sie die bisherigen Anforderungskriterien immer besser erfüllen und weil sie  in der Regel einen festen Standort mit Ladesäule haben. Weitere elektrifizierte Modelle der verschiedenen AMAG Marken für den Blaulicht-Einsatz folgen demnächst. 

Frage zum Schluss, Roger: Wie ist das nun mit Tatütata – sind das nur die Polizeifahrzeuge?

In der Schweiz ist dies das gesetzlich vorgeschriebene Warnsignal sowohl für die Polizei und die Feuerwehr als auch für die Ambulanz – allerdings auf verschiedenen Tonlagen. Deshalb wird das sogenannte Martin-Horn auch Cis-Ges-Horn (für diejenigen, die im Musikunterricht aufgepasst haben: eine Quarte) oder Wechselklanghorn genannt. Übrigens ist ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben, dass das Blaulicht auch ohne Martin-Horn eingeschaltet werden darf, aber nicht umgekehrt. – Wie das Martin-Horn zu seinem Namen kam? Das ist eine andere Geschichte.

 

Weiterführende Links

www.blaulicht.ch

blaulicht Magazin – Home (blaulicht-iv.ch)

Flottenportal der AMAG Automobil und Motoren AG

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