Prof. Dr. Andreas Herrmann von der Universität St. GallenProf. Dr. Andreas Herrmann von der Universität St. Gallen zeigte an der Veranstaltung «What’s new?» des AMAG Innovation & Venture LABs auf, wie autonomes Fahren unsere Zukunft beeinflussen kann.

 

Sharen statt kaufen und gefahren werden statt selbst fahren

Seit der Erfindung des Autos Ende des 19. Jahrhunderts hat sich lange wenig getan: Ein Auto wird gekauft und gefahren. Erst in den letzten Jahren kamen alternative Modelle rund ums Auto auf: Heute kann man Autos nicht nur kaufen oder mieten, sondern auch sharen oder gar abonnieren.

Ausserdem galt ein ganzes Jahrhundert: Der Mensch ist der Chef im Auto. Durch die unzähligen Assistenzsysteme im Fahrzeug, verschiebt sich diese Grenze langsam. Dabei werden fünf Stufen der Automatisierung unterschieden:

Grafik Stufen der Automatisierung autonomes FahrenAktuell befinden wir uns in Stufe 2. Fahrzeugassistenzsysteme unterstützen den Fahrer, die Verantwortung über das Fahrzeug liegt jedoch immer beim Fahrer.

Autonomes Fahren: Die Vorteile

Neben dem Gefühl erholt am Zielort aufzuwachen, bietet das vollautomatisierte Fahren weitere Vorteile für die Gesellschaft, sofern die rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen geklärt sind.

1. Life: Reduktion der Anzahl Unfälle

Der Faktor Mensch spielt bei der Mehrheit der Autounfälle die zentrale Rolle. Über 90 Prozent der Unfälle werden vom Menschen verursacht. Städte wie Los Angeles fordern, dass bis 2025 niemand mehr sein Leben wegen eines Autounfalls verliert. Dazu ist eine zuverlässige Technologie erforderlich. Eine Maschine kann programmiert werden und reagiert in jeder Situation gleich.

2. Time: Besserer Durchsatz an Fahrzeugen

Der Entstehung von Stau widmen sich ganze Forschungsbücher. Was uns allen sicher schon aufgefallen ist: Abruptes Abbremsen durch zu nahes Auffahren oder zu spätes Abbremsen fördert Stausituationen. Ein autonomes Fahrzeug hält den Abstand zum Vordermann konstant. Wenn mehrere autonome Fahrzeuge sogar miteinander kommunizieren und interagieren, können sie Stausituationen besser vermeiden. Das Experiment im Video zeigt wir ein selbstfahrendes Auto in der Gruppe verhindert, dass die Autos zu stark abbremsen müssen. Somit kann Stau vermieden werden.

Ohne autonomes Fahrzeug:

Mit autonomem Fahrzeug:

3. Energy: Verbesserung des Verbrauchs

Bei der Fahrweise sollte man darauf achten, nicht unnötig Energie zu verschwenden (sei es Kraftstoff oder Ladekapazität). Wenn hochautomatisierte Fahrzeuge in Zukunft untereinander kommunizieren, und sogar mit der Verkehrsinfrastruktur wie Ampeln, kann durch ihre vorausschauende Fahrweise der Verbrauch signifikant gedrosselt werden.

4. Space: Reduktion der Parkfläche

Man stelle sich vor, das Auto fährt automatisch und selbstständig ins Parkhaus hinein und parkiert in einer Parklücke. Auf Befehl fährt es wieder raus Dadurch könnte viel Platz gespart werden. Einerseits in den Parkhäusern, denn Treppenhäuser für Fussgänger oder Abstände zwischen den Autos fürs Ein- und Aussteigen fallen weg. Andererseits auch in den Städten, da die Autos nicht zentral neben dem Kino oder dem Park stehen müssten. Sie könnten den Fahrer am gewünschten Ort absetzen und anschliessend sich selbst parkieren.

Beispiele aus der Praxis

Natürlich ist vieles davon noch Zukunftsmusik. Doch aktuelle Projekte bringen interessante Erkenntnisse zeigen, dass an diesen Punkten gearbeitet wird. Hier einige Beispiele:

In der Schweiz gibt es einige Städte, die autonome Busse in eingegrenzten Arealen testen oder bereits getestet haben. So unter anderem Sion oder Fribourg.

Ein weiteres Beispiel ist The Villages in Florida. In dieser Stadt leben ca. 125’000 Einwohner, wobei ein Grossteil Rentnerinnen und Rentner sind. Aufgrund der geringen Verkehrsdichte und der Verkehrsführung der Strassen eignet sie sich ideal für selbstfahrende Autos. Neben diesen optimalen Verkehrsbedingungen begünstigen die Bewohner selbst das autonome Fahren. Wegen ihres Alters fahren sie selbst häufig nicht mehr gerne oder sind nicht mehr in der Lage dazu, weshalb sie gerne auf die selbstfahrenden Fahrzeuge zurückgreifen.

In Tokio startete erst kürzlich ein Versuch mit einem Robotertaxi im innerstädtischen Verkehr, welches Passagiere von Verkehrsknotenpunkten wie dem Flughafen bis in die Innenstädte bringt.

Viele Wissenschaftler sehen die Zukunft des autonomen Fahrens vorerst in begrenzten Arealen mit ruhigen Verkehrsbedingungen. Bis die selbstfahrenden Autos auch überall in den Städten anzutreffen sind, wird es noch einige Jahre dauern.

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Prof. Dr. Andreas Herrmann gibt im Video einen Einblick zum autonomen Fahren:

Philipp Wetzel, Managing Director des AMAG Innovation & Venture LAB, spricht im Interview, das nach dem Event «What’s new?»* geführt wurde, über selbstfahrende Autos und deren Auswirkungen auf die AMAG:

* What’s new?: Es handelt sich hierbei um eine Veranstaltungsreihe, die sich den Trends und den Zukunftsszenarien im Bereich Mobilität widmet. Veranstalter ist das AMAG Innovation & Venture LAB.

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