Das berühmt-berüchtigte Schlagwort «Work-Life Balance» ist jedem ein Begriff und doch schwer fassbar. Was ist diese Balance zwischen «Arbeit» und «Leben» genau? Was genau verfolgen wir mit diesem Konstrukt? Und warum gelingt es dann oftmals doch nur zu gewissen Teilen, dieses Gleichgewicht im Alltag zu leben?

Aber ganz von vorne. Helsana definiert die Work-Life Balance in ihrem Blog als Zustand, in welchem Arbeit und privates Leben im Gleichgewicht sind. Die Frage, die sich nun stellt: Ist die Arbeit nicht auch ein Teil des Lebens? Spielt sich das Leben trennscharf nur ausserhalb der Arbeit ab? Berechtigte Frage, welche sich auch die Gesundheitsförderung Schweiz stellte und den Begriff auf «Life-Domain-Balance» anpasste. Also ein Gleichgewicht zwischen allen Bereichen, die sich im Leben ergeben und sich je nach individuellen Bedürfnissen definieren [1].

Im alltäglichen Gebrauch wird der Begriff «Work-Life Balance» jedoch oftmals als Synonym für die Vereinbarkeit der beiden Bereiche von Beruf und Familie verwendet. Man darf annehmen, dass diese beiden «Domänen», in der Sprache der Gesundheitsförderung Schweiz gesprochen, die zwei bedeutendsten und wohl auch am schwierigsten zu kombinierenden Lebensbereichen sind.

Gemäss dem OECD Ranking* [2], sind die Niederlande, Italien und Dänemark die Spitzenreiter der besten Work-Life Balance [3], während sich die Schweiz auf Platz 11 befindet. Laut Studie ist der Hauptfaktor für eine gute Work-Life Balance die Arbeitszeit. Denn, je länger man arbeitet, desto weniger Zeit bleibt zur freien Verfügung für andere Bereiche. Eigentlich logisch. In den Niederlanden arbeiten nur 0.4% der Arbeitstätigen mehr als 50 Stunden pro Woche – im europäischen Durchschnitt liegt dieser Wert bei 11%. Die Spitzenreiter haben somit genügend Zeit, um bis zu 16 Stunden pro Woche für Freizeit aufzubringen. Da hat der Schweizer Durchschnitt noch Potential.

Doch wie kann konkret dazu beigetragen werden, die eigene Balance zwischen den für sich wichtigen Bereichen noch besser zu gestalten?

Beitrag des Arbeitgebers zu einer «Work-Life Balance»:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle anbieten (bspw. Gleitzeit, mobiles Arbeiten) – dies ermöglicht dem Arbeitnehmenden eine flexible Anpassung an nicht-berufliche Aktivitäten und Verpflichtungen ausserhalb der Arbeit.
  • Gesundheitstage im Unternehmen planen – so können mögliche Strategien zum Umgang mit unterschiedlichen Anforderungen thematisiert werden und die Sensibilität rund um das Thema Gesundheit wird adressiert. Ein gutes Wohlbefinden kann signifikant zu einer besseren Vereinbarkeit von unterschiedlichen Ansprüchen im Alltag beitragen.
  • Wertschätzung und Fürsorge für die eigenen Mitarbeitenden zeigen – Merken Mitarbeitende, dass sie mehr als nur eine Arbeitskraft sind, führt dies zu mehr Wohlbefinden und besserer Gesundheit. In diesem Kontext spricht man normalerweise nicht von reinen finanziellen Zuwendungen, sondern von Formen wie bspw. Beiträge an Sport-Abos, ein ausgewogenes kulinarisches Angebot zur Verpflegung, Möglichkeiten auf Bezug von unbezahltem Urlaub, der Support von Weiterbildungen, als auch eine regelmässige Kommunikation die die Mitarbeitenden direkt anspricht und sie teilhaben lässt am Geschehen.
  • Kinderbetreuung – Sei es eine interne Kinderbetreuung oder aber die finanzielle Unterstützung bei externer Betreuung. Sein Kind rundum versorgt zu wissen, in einer KiTa seines Vertrauens, optimalerweise auch noch in der Nähe des Wohnortes, können einen positiven Effekt auf die Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Bedürfnissen haben.
  • Vorbildfunktion – Die Kultur, welche durch die Vorgesetzten vorgelebt wird, sollte nicht unterschätzt werden. Erst durch das Vorleben kann das richtige Mind-Set in das Unternehmen getragen werden, in welcher der Spagat zwischen beruflichen und privaten Anforderungen nicht nur toleriert, sondern gänzlich akzeptiert wird.

Beitrag durch mich selbst zu einer «Work-Life Balance»:

  • Zu Beginn der Woche lege ich alle Aktivitäten fest, die ich diese Woche unbedingt erledigen oder machen möchte und baue sie in meine Wochenplanung frühzeitig ein.
  • Ich plane meine ausser-beruflichen Aktivitäten und terminiere mir sie, genauso wie ich Business Meetings planen würde. Dies erhöht die Verbindlichkeit und somit die Chance, dass ich meine Pläne nicht doch noch kurzfristig zu Gunsten eines Auftrages absage.
  • Ich erledige, wenn möglich, die ungeliebten Aufgaben zuerst. Nicht nur, dass ein Aufschieben oftmals mit belastenden Gedanken verbunden ist, je länger unangenehme Tasks vor sich hergeschoben werden, desto grösser ist die Chance, dass sie ausserhalb der normalen Arbeitszeit erledigt werden müssen, da der Zeitdruck zu gross wurde.
  • Ich setze mir Zeitlimits für meine Aufgaben. Eine konkrete Zeitvorgabe hilft, die Aufgaben nicht (unnötig) in die Länge zu ziehen. Wird kein fixer Zeitrahmen definiert für eine Arbeit, kann es zu einer künstlichen Verlangsamung des Arbeitstempos kommen. Wenn ich weiss, ich habe theoretisch drei Stunden Zeit für eine Aufgabe (bräuchte effektiv aber nur eine Stunde sie zu erledigen), stellt sich das Hirn automatisch auf drei Stunden ein und tendiert dazu die Arbeitsgeschwindigkeit zu verlangsamen. Mit dieser Methode kann ich mir also mit einfachen Mitteln mehr Zeit für andere (private) Dinge schaffen.
  • Wenn ich dazu tendiere, geplante Vorhaben doch wieder zu verwerfen, verabrede ich mich mit Jemandem (bspw. zum Sport). Einem Kollegen abzusagen ist meist etwas unangenehmer als ein Date mit sich selber zu canceln.
  • Ich betrachte Stress nicht als Statussymbol. Steht für mich Stress in Korrelation mit «wichtig sein» oder «ich werde gebraucht», besteht die Gefahr, dass ich Stress brauche und allenfalls aktiv herbeiführe, um mich im Job anerkannt zu fühlen.

 

[1] Quelle: helsana.ch/blog

[2] 40 Länder im Vergleich

[3] Faktoren wie Arbeitszeit, Freizeit, Zeit für sich selbst, Beschäftigungsrate von Müttern etc., wurden zur Definition der Work-Life Balance berücksichtigt.

 


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1 Kommentare

  • Fabio Donnaloia

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